Zellweger

Die im 15. Jh. aus dem Geschlecht Geppensteiner hervorgegangenen und in Gais sowie Appenzell sesshaften Z. übersiedelten als Anhänger des neuen Glaubens in den 1580er Jahren in die Äussern Rhoden. Von der frühen Neuzeit bis Mitte des 19. Jh. prägte die Fam. die Wirtschaft und Landespolitik Ausserrhodens. Bis 1848 stellte sie acht Landammänner und zahlreiche weitere Landesbeamte; zwischen 1597 und 1797 waren die Z. während 193 Jahren in der Landesregierung vertreten, davon 74 Jahre als Landammann. Der wirtschaftl. Aufstieg der Wirtefamilie begann mit den Brüdern Bartholome ( -> 2) und Conrad ( -> 4), die sich 1667 an der Eröffnung einer Leinwandschau in Trogen beteiligten. Innerhalb von fünf Generationen gelangten die Z. zu einem im Appenzellerland beispiellosen Wohlstand, der zugleich die Hauptursache für den Aufschwung Trogens war. Der Handel mit Leinwand, später mit Rohbaumwolle und Baumwollgeweben, bildete die Basis ihrer erfolgreichen Textilunternehmen mit Filialen in Lyon, Genua und Barcelona. Durch eine gezielte Heiratspolitik verbanden sich die Z. mit den meisten einflussreichen Fam. Ausserrhodens und bauten so ihre Machtstellung aus. Schwiegersöhne wurden in die Firmen integriert, wobei teils neue Unternehmen entstanden. Die Übermacht der beiden verwandten Fam. Z. und Tanner bewog deren Gegner zum Zusammenschluss, was im Landhandel 1732-34 zum polit. Sturz der Z. führte. Die Fam. galt in der Folge für Jahre als regierungsunfähig. 1754 besiegelte die Heirat Jakobs ( -> 14) die Versöhnung mit den Hauptrivalen aus der Fam. Wetter. Enge Bande bestanden über die Brüder Conrad (1694-1771), Johannes ( -> 17) und Laurenz ( -> 20) zur Kaufmannsfamilie Sulser in Azmoos und zu Zürcher Gelehrtenkreisen. Den geschäftl. Zenit erreichte die Fam. in der 2. Hälfte des 18. Jh. mit den beiden Firmen der Brüder Jakob ( -> 14) und Johannes ( -> 18). Die Söhne des Letzteren, Jacob ( -> 12) und Johann Caspar ( -> 15), der sich auch in der Textilproduktion betätigte und dort als Pionier der Industrialisierung hervortrat, gaben die Geschäfte schliesslich auf. Einige ihrer Nachkommen wurden auf anderen Gebieten auch ausserhalb Trogens tätig und erlangten teils erhebl. Ansehen, so Jacobs Söhne Jacob ( -> 13), Arzt und Landammann, Salomon ( -> 24), Unternehmer, und Ulrich ( -> 25), Gründer einer Bank in Paris, zudem Alfred ( -> 1), Firmengründer in Uster. Die Vorrangstellung der Fam. dokumentieren die von 1747-1810 erstellten Palastbauten der Z. und ihrer Verwandten in Trogen. Von nachhaltiger Wirkung war ihr grosses Engagement im Erziehungs- und Verkehrswesen.


Archive
– KBAR, Teilnachlass
– StAAR, Kommerzialarchiv Z.
Literatur
AWG, 396-408
Schweiz. Geschlechterbuch 5, 752-767
AppGesch. 2 (mit Stammbaum)
– Holderegger, Unternehmer
"Bande der Hochachtung und Liebe", Ausstellungskat. Trogen, 2000
– H. Fässler, Reise in Schwarz-Weiss, 2005, 41-49
– U. Pfister, «Der Textilhandel der Fam. Z. in der zweiten Hälfte des 18. Jh.», in Europa in der Schweiz, 2013, 25-40
– M. Zellweger, Die "Fetzenkrämer" von Trogen, in Vorb.

Autorin/Autor: Thomas Fuchs