Sobrio

Ehemalige politische Gemeinde TI, Bezirk Leventina, seit 2016 Teil der Gemeinde Faido. Sie liegt auf einer Terrasse der mittleren Leventina auf 1091 m Meereshöhe an der sog. Strada Alta und umfasste die Ortsteile Villa und Ronzano. 1225 Sourio. 1567 40 Feuerstätten; 1745 331 Einw.; 1824 380; 1850 365; 1900 237; 1950 98; 2000 74. Im MA war S. eine Degagna der alten Nachbarschaft Giornico. Bis 1585 waren die Einwohner S.s nach Giornico kirchgenössig; dann bildete das Dorf eine Pfarrei mit Cavagnago, von der es sich 1611 trennte. Die im 13. Jh. erwähnte Kirche S. Lorenzo wurde im 16. Jh. erweitert und mehrmals renoviert, letztmals 2001-03. Der Ortsteil Villa fiel 1759 fast vollständig einem Brand zum Opfer. Wirtschaftlich dominierten früher der Ackerbau (Kartoffeln und Roggen) und die Viehzucht. Dazu kam seit jeher die saisonale Auswanderung, v.a. nach Mailand und Paris. Die Fahrstrasse, die S. mit dem Talgrund verbindet, wurde Ende des 19. Jh. gebaut. Mitte des 19. Jh. setzte wegen der Auswanderung nach Übersee und der Abwanderung in die städt. Zentren eine starke Entvölkerung ein. Diese Entwicklung wurde nur teilweise durch den Bau von Zweitwohnungen (v.a. in Parnasco) ausgeglichen.


Quellen
MDT, Serie 1
Literatur
– B. Giandeini, I racconti dell'acero, 1989
ISOS TI 6, 2005, 233-244

Autorin/Autor: Mario Fransioli / PTO