Etichonen

Die E. waren ein v.a. im Elsass begütertes, als Grafen, Herzöge, Klostergründer und -herren (Hohenburg/Odilienberg, Ebersmünster, Honau, Murbach, Erstein, Lure) hervortretendes Adelsgeschlecht, das im Dienst der Karolinger vom 7. bis zum 11. Jh. im ganzen Reich agierte. Die Reihe ihrer duces reicht vom Spitzenahn Eticho (um 675) in Sohnesfolge über Adalbert (gestorben 723) bis zu Liutfrid (gestorben nach 739). Als Grafen konkurrierten sie im 9. Jh. mit den Erchangaren, den Verwandten der Kaiserin Richgard, der Gattin Karls III. Zu den Herrschaften der E. gehörte der Sornegau am Jura mit dem um 640 gegründeten Kloster Moutier-Grandval, das dem Familienzweig der Liutfride unterstand. Der bedeutendste Vertreter seines Geschlechts war neben Eticho Gf. Hugo von Tours (gestorben 837), der von Karl dem Grossen und Ludwig dem Frommen gefördert wurde, 821 seine Tochter Irmingard mit Ludwigs Sohn und Mitkaiser Lothar I. vermählte, 834/835 seinem Schwiegersohn nach Oberitalien folgte und um Mailand und Monza einen weiteren Schwerpunkt etichon. Herrschaft bildete.

Um 869 erhielt der von den E. abstammende Eberhard durch Waldrada, der Konkubine Kg. Lothars II., die Abtei Lure im Burgund. In der Mitte des 10. Jh. wurden die E. weitgehend entmachtet. Kg. Otto I. konfiszierte 952 die Güter des E. Guntram am Oberrhein und im Thurgau und liess sich 959 von dessen Brüdern Eberhard und Hugo die Abtei Lure übergeben. 968 (?) nahm Kg. Konrad von Hochburgund auch das Kloster Moutier-Grandval als Königsbesitz an sich. Damit wurde das Juravorland (Sornegau) politisch endgültig vom Elsass abgetrennt. Die E. konnten sich allerdings als Grafen im Elsass weiter behaupten. Im Nordgau amtierten die Eberharde, im Sundgau die Liutfride (bis 1003). Von den Eberharden stammten die Gf. von Dagsburg-Egisheim (bis 1089). Aus ihnen ging der Reformpapst Leo IX. hervor.


Literatur
HS III/1, 283-288
– M. Borgolte, «Die Gesch. der Grafengewalt im Elsass von Dagobert I. bis Otto d.Gr.», in ZGO 131, 1983, 3-54
LexMA 4, 57
LThK 1, 1165

Autorin/Autor: Michael Borgolte