Herpinus

In der 1. Hälfte des 7. Jh. als Graf aus dem pagus Ultrajoranus (westl. Teil des schweiz. Mittellandes) im fränk. Teilreich Burgund genannt. Die Erwähnungen stehen im Zusammenhang mit dem mehrfach erfolgreichen Widerstand der fränkisch-burgund. Adelsopposition (Höhepunkt 610/611) gegen das Königtum, das sich auf rom. Hausmeier stützte. Im Zuge dieser Kämpfe, die von Rivalitäten innerhalb der Königsfam. überlagert wurden, stiessen 610/611 die Alemannen des fränk. Kg. Theudebert II. in das Gebiet von dessen Bruder Theuderich II. vor. Sie zogen gegen Avenches, das zum pagus Ultrajoranus gehörte. Die zur Verteidigung herbeigeeilten Grafen dieses pagus, darunter Abelenus und H., wurden in der Schlacht bei Wangen vernichtend geschlagen. H. führte wenig später mit dem patricius Aletheus und dem Sittener Bf. Leudemundus einen Umsturzversuch gegen den Frankenkönig Chlothar II. an. Zwar wurde der fränk. Hzg. Herpo umgebracht, doch ein Attentat auf den König scheint misslungen zu sein.


Literatur
– P.E. Martin, La Suisse à l'époque mérovingienne, 1910, 195, 207-212
– E. Tièche, «Fredegars Notiz über die Schlacht bei Wangen», in Museum Helveticum 6, 1949, 1-18
– E. Ewig, Die Merowinger und das Frankenreich, 1988, 119

Autorin/Autor: Achilles Weishaupt