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Faido

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Polit. Gem. TI, Bezirkshauptort und Sitz des Bezirksgerichts Leventina. 1171 Faedo; dt. früher: Feit, Pfaid. 1567 50 Feuerstätten; 1639 255 Einw.; 1745 383; 1850 704; 1880 1'293; 1900 860; 1950 1'173; 1970 1'866; 2000 1'548. Entscheidend für die Entwicklung der Gemeinde zum regionalen Zentrum waren einerseits ihre Lage in der Mitte des Tals und am Fuss der Schlucht des Monte Piottino, eines natürl. Hindernisses, das beim Personen- und Warentransport einen Halt erforderte, andererseits ihre Funktion als Hauptort, dessen Geschick von der Urner Herrschaft über die Leventina (15.-18. Jh.) geprägt wurde. Die ehemalige Vicinanza F. (mit Sitz in Mairengo) bestand aus drei Degagne. In F. tagten die Versammlung der Gemeindevorsteher der Leventina (parlamento generale) und der Rat der Talgemeinschaft. Im MA war die Kirche S. Siro in Mairengo (1171 bezeugt) Taufkirche der Vicinanza F. Die im 13. Jh. erwähnte und nach dem Brand von 1331 wieder aufgebaute Kirche S. Andrea wurde 1579 zur Pfarrkirche erhoben und nach 1830 ausgebaut. Die Kapelle S. Bernardino da Siena von 1459 stand unter dem Patronat der Fam. Varesi, die auch einen sechsstöckigen Turm besass. 1607 wurde ein Kapuzinerkloster gegründet, das für lange Zeit Sitz des Priesterseminars der Kapuziner und Kulturzentrum war. Seine Schule war für die Jungen aus dem Tal offen. Zum Kloster gehört auch die 1608 errichtete Kirche S. Francesco, die 1785/86 umgebaut wurde.

Die Geschichte des 19. Jh. wurde von der 1820-30 erbauten Gotthardstrasse, noch mehr aber von der Gotthardbahn bestimmt. Die Bahn begünstigte die Gründung versch. Hotels (darunter das Hôtel Suisse von 1905) sowie die Ausbreitung von Handwerk und Kleinindustrie. F. war 1889 die erste Tessiner Gemeinde mit elektr. Beleuchtung. Zahlreiche Einwohner emigrierten nach Frankreich, England, Australien und Amerika. Beachtlich war auch die Einwanderung von Handwerkern und die Ansiedlung kleiner Industrieunternehmen, einige davon als Filialen von Bundesbetrieben, die heute im Allgemeinen verschwunden oder umgezogen sind. Vor dem 1. Weltkrieg war F. insbesondere bei Mailänder Familien ein beliebter und gut besuchter Ferienort. Das 1917 auf Initiative des Leventiner Klerus erbaute Krankenhaus S. Croce ist seit 1992 ein Altersheim; das heutige Bezirksspital entstand 1923 auf Verlangen der Einwohner- und Bürgergemeinden der Leventina. 1976 wehrte sich F. erfolgreich gegen die Zerschneidung des Gemeindegebiets durch die Autobahn und erhielt eine Tunnelumfahrung.


Quellen
MDT, Serie 1
Literatur
– A. Cattaneo, I Leponti, 1874, (Neudr. 1990)
F., hg. von V.F. Raschèr, M. Frasa, 1982
– P. Grossi, Primi in luce, 1989

Autorin/Autor: Mario Fransioli / CN