22/11/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken | 
No 1

Senfl, Ludwig

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

geboren zwischen 1489 und 1491 Basel oder Zürich,gestorben zwischen Jan. und März 1543 München. In versch. (auch eigenhändig verfassten) Quellen ist S. nur als "Schweizer" oder "genannt Schweitzer" ausgewiesen. Die Charakterisierung als "Ludwig Sennfli von Zürich" im Zürcher Glückshafenrodel von 1504 stellt die früheste Nennung dar und legt nahe, dass der Vater der aus Freiburg i.Br. stammende Sänger Bernhard Senfly sein könnte, der 1488 als Zürcher Bürger nachgewiesen ist. Mit zehn Jahren kam S. als Chorknabe in die Hofkapelle Kg. Maximilians I. und wurde am Hof von Heinrich Isaac unterrichtet, dem er später aus Dankbarkeit ein autobiogr. Lied ("Lust hab' ich ghabt zur Musica") widmete. Vermutlich bereits als Chorknabe in den Klerikerstand erhoben und später mit Pfründen am Basler Münster und in Verona versorgt, hielt sich S. 1507-09 mit Isaac und der Kapelle am Konstanzer Reichstag, 1515 in Wien und 1516-18 am Reichstag in Augsburg auf. Nach Isaacs Tod (1517) trat S. als Sänger und Notator an dessen Stelle, bevor die Kapelle 1520, ein Jahr nach Ks. Maximilians Tod, aufgelöst wurde. Zum Hofkomponisten wurde er offiziell nie ernannt. Ebenfalls 1520 wurde ein erster Band mit Motetten S.s veröffentlicht ("Liber selectarum cantionum"), der auch Werke seines Lehrers Isaac sowie der ihn stilistisch stark beeinflussenden franko-fläm. Komponisten (Josquin des Prés, Jacob Obrecht, Pierre de la Rue) enthält. 1523 trat S. - nach Aufenthalten in Augsburg und Passau - in die Dienste Hzg. Wilhelms IV., dessen Münchner Hofkapelle er als musicus intonator bzw. als musicus primarius bis zu seinem Tod leitete. Die Korrespondenz mit Martin Luther und Hzg. Albrecht von Preussen belegt S.s reformator. Gesinnung. Zudem stand S. mit den bedeutenden Gelehrten und Humanisten seiner Zeit (u.a. mit Glarean und Vadian) in engem Kontakt. S. gilt als der wichtigste Vertreter der niederländ.-dt. Motette und des dt. Lieds zur Reformationszeit. Sein überliefertes Werk umfasst sechs lat. Messen, ein Magnificat, rund 100 Messproprien, 130 Motetten und gegen 300 dt. Lieder, Kanons und Quodlibets. Bereits zu Lebzeiten erlangte S. im deutschsprachigen Raum grosse Anerkennung. Seine Werke wurden noch Jahrzehnte nach seinem Tod niedergeschrieben, gedruckt und aufgeführt, wovon u.a. zahlreiche späte Intavolierungen seiner Lieder zeugen. Die liturg. Werke wurden am Münchner Hof, die Motetten bis weit ins 17. Jh. in prot. Kreisen und Lateinschulen weitergepflegt.


Werke
Sämtl. Werke, 11 Bde., 1937-74
Literatur
– K.C. Roberts, The music of Ludwig S., 1965
– W. Seidel, Die Lieder Ludwig S.s, 1969
Die Musik in Gesch. und Gegenwart, Personentl. 15, 22006, 569-590
NDB 24, 2010, 254-256

Autorin/Autor: Christoph Ballmer