23/02/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Chironico

Polit. Gem. TI, Bez. Leventina. Am rechten Hang der mittleren Leventina auf 786 m gelegenes Dorf; sein weites und gebirgiges Gebiet erstreckt sich vom Fluss Ticino auf der Höhe der Biaschina-Schlucht (450 m) bis zum Pizzo Campo Tencia (3072 m) im oberen Piumognatal. 1202 Cuirono. 1567 233 Feuerstellen, 1745 565 Einw.; 1850 829; 1880 1041; 1900 855; 1950 548; 1990 393; 2000 403. Das Dorf liegt auf einer Terrasse, die z.T. durch einen Bergsturz an der gegenüberliegenden Talseite in prähist. Zeit gebildet wurde. Zum Hauptkern der Siedlung gesellen sich die Ortsteile Grumo und Nivo, letzterer ist der einzige in der Talsohle. Auf den oberhalb des Dorfkerns gelegenen, steil abfallenden Felsterrassen liegen Cala, Doro, Olina, Osadigo und Chiesso. Diese schlecht erschlossenen und von fast gänzlich aufgelassenem Nutzland umgebenen Siedlungen sind schwer einzuordnen: Es lässt sich nicht feststellen, ob es sich um Maiensässe (maggenghi) handelt oder um Dörfer im eigentl. Sinne. Allein das Bergdorf Gribbio verfügt über einen Strassenanschluss. Derartige mit Kapellen aus dem 16.-18. Jh. ausgestattete Bergsiedlungen waren in der Vergangenheit während eines Grossteils des Jahres bewohnt, im MA vielleicht sogar durchgehend; einst von entscheidender Bedeutung für das wirtschaftl. und soziale Leben des Dorfes, sind sie heute teilweise zu Ferienorten geworden. Aus der alten Vicinanza C., die vier oder fünf Degagne umfasste, sind sechs Korporationen (enti patriziali) hervorgegangen, Besitzerinnen der zumeist nicht mehr genutzten Alpweiden. Im Hauptkern C.s mit seinen typischen Blockbauten befinden sich die kleine ma. Kirche S. Ambrogio mit Zwillingsapsiden und bemerkenswerten Fresken sowie der Pedrini-Turm, ein sechsgeschossiges Wohngebäude wohl aus der 1. Hälfte des 13. Jh. In der ebenfalls auf das MA zurückgehenden Pfarrkirche S. Maurizio, welche abseits von der Wohnsiedlung liegt, werden einige Zeugnisse von Auswanderern, die als Schankwirte in Venedig tätig waren, und ein wertvolles Martyrologium aus dem 14./15. Jh. aufbewahrt. Im MA führte der wichtigste Maultierpfad des Tals durch C. Jahrhundertelang machte sich eine starke Auswanderung bemerkbar, zunächst nach Italien und schliesslich ab dem 19. Jh. nach Frankreich und England.


Quellen
MDT, Serie 1
Literatur
– P. Bianconi, Inventario
– V. Gilardoni, Il Romanico, 1967
– W. Meyer, Castelli del Ticino e del Grigioni italiano, 1982

Autorin/Autor: Mario Fransioli / EB