21/06/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Bedretto

Polit. Gem. TI, Bez. Leventina, umfasst das Bedrettotal (Oberlauf des Tessin vom Nufenenpass bis Airolo) mit den Siedlungen Ronco, B. (1402 m), Villa (Sitz der Gemeindeverwaltung) und Ossasco. Fontana, am Eingang des Tales gelegen, gehört zur Gem. Airolo. 1210 Bedoledo. 1567 38 Herdstellen; 1745 293 Einw.; 1798 594; 1850 388; 1900 257; 1930 275; 1950 213; 2000 72. 1906 wurden Gräber aus vorröm. Zeit in Villa und röm. Münzen in B. gefunden. Die Vermutung, B. habe ursprünglich zu Airolo gehört, konnte nicht bestätigt werden. Bereits in den ältesten Urkunden erscheint B. als selbstständige Gemeinde. Schon 1227, als die Alpen der Talschaft Leventina aufgeteilt wurden, bildete B. eine Nachbarschaft, war indes die einzige, die keine Alp für sich allein erhielt. 1227 wird B. auch als selbstständige Pfarrei erwähnt. Die Pfarrkirche SS. Martiri Maccabei in Villa wurde nach dem Lawinenniedergang von 1594 neu gebaut. Der bestehende Bau stammt vom Ende des 19. Jh.

Das Hospiz in All'Acqua war Ausgangspunkt zu zwei bekannten Bergübergängen: zum Nufenenpass, der nach Ulrichen ins Oberwallis führt, und zum Passo di S. Giacomo, dem Übergang ins ital. Val Formazza (Pomat). Das Hospiz von Valdolgia oder S. Nicolao auf dem Passo di S. Giacomo war ein zweiter Stützpunkt auf dem alten Saumpfad. Von den meist steilen Abhängen des Bedrettotales gingen häufig grosse Lawinen nieder, so jene von 1863, die den Weiler B. zur Hälfte zerstörte und 29 Todesopfer forderte, und die von Ossasco, die 1749 13 Menschen in den Tod riss. Im Winter ist das Tal oft abgeschnitten und die Verbindung der Dörfer untereinander und mit Airolo für Tage unterbrochen. Mit der Errichtung von Lawinenverbauungen hat sich die Situation gebessert. Die Fahrstrasse Airolo-B. wurde 1924 eröffnet, 1932 bis nach Ronco und 1964 über den Nufenen verlängert. Das Tal ist auch heute noch ziemlich isoliert und ohne ständige Verbindung mit dem Wallis, da ein Bahnprojekt in Verbindung mit dem Furkatunnel scheiterte. Die knappen Einnahmequellen des Tales (Viehzucht, Milchwirtschaft, Anbau von Kartoffeln und Roggen) reichten nicht zum Unterhalt der Einwohner. So waren sie gezwungen, saisonal auswärts (v.a. in Italien und Frankreich) als Maronibrater, Kellner oder Hausdiener Arbeit zu suchen oder ganz auszuwandern. Da die saisonale Auswanderung nach dem Ende des 2. Weltkriegs aufhörte, entvölkerte sich das Tal noch rascher. Der Rückgang der ständigen Wohnbevölkerung wird in den Sommermonaten durch die Rückkehr Einheimischer und durch den Zustrom von Touristen und Feriengästen wettgemacht.


Quellen
MDT, Ser. 1
Literatur
– O. Lurati, Terminologia e usi pastorizi di val B., 1968

Autorin/Autor: Mario Fransioli / GG