Senarclens, de

Noch heute in den Kt. Waadt und Genf bestehendes Geschlecht, dessen Name auf das waadtländ. Dorf S. zurückgeht. Ab dem späten 12. Jh. werden die Herren von S. erwähnt: 1164 bezeugte Aymon Schenkungen von Pierre, Herrn von Prangins und Cossonay, an die Abtei Bonmont. Als Vasallen der Herren von Cossonay besassen die S. Güter in Cossonay und in den Nachbardörfern, so in S. (bis Ende des 14. Jh.), Penthalaz und Gollion. Im 15. Jh. wurden sie durch Heirat Herren von Grancy und Dully. In den 1530er Jahren war François, Herr von Grancy, Mitglied des Löffelbunds. Sein Sohn Claude ( -> 2), der früh zum neuen Glauben übertrat, erhielt von Bern die Investitur für die Herrschaften Perroy und Le Rosey. Unter bern. Herrschaft zählten die S. zu den einflussreichen Fam. des Waadtlands, wie ihre Heiratsverbindungen mit den d'Allinges, de Mestral, de Gingins oder mit Berner Patrizierfamilien wie den von Wattenwyl und von Erlach bezeugen. Dank vorteilhafter Eheschliessungen gelangten sie ausserdem in den Besitz von Vufflens-le-Château, Gollion und La Chaux (Cossonay). Durch Zukäufe vergrösserten sie ihre Herrschaft Grancy und führten 1751 S. in den Familienbesitz zurück. Im 18. Jh. standen die S. in holländ. und preuss. Diensten und zu Beginn des 19. Jh. liess sich ein Zweig der Fam. in Hessen nieder. Im 19. und 20. Jh. waren sie mit Ausnahme von Aymon ( -> 1) kaum im polit. Leben präsent, sondern in den freien Berufen und der Wissenschaft tätig, so Arthur (1847-1935) als Rechtsprofessor in Lausanne und später in Lüttich, Gérard (1906-88) als Chemiker und Industrieller, Jacques ( -> 3) als Prof. für Theologie. Aymons Ehefrau Andrienne Turrettini (1912-2006) wirkte unter dem Pseudonym Andry als Malerin und Graveurin.


Archive
– ACV, FamA
Literatur
– L. de Charrière, Les fiefs nobles de la baronnie de Cossonay, 1858, 205-216
Schweiz. Geschlechterbuch 5, 576-582
– J. de Senarclens, 800 ans d'histoire de la famille de S. et de sa branche de Grancy, 2004

Autorin/Autor: Marianne Stubenvoll / GL