Quartéry, de

Ab dem 12. Jh. in Saint-Maurice bekanntes Adelsgeschlecht und eine der berühmtesten Unterwalliser Familien. Pierre wurde 1283 in Saint-Maurice eingebürgert. Bis zum Ende des Ancien Régime brachte die Fam. zahlreiche Kleriker, Sekr. der Gf. von Savoyen, Notare, Kastlane, Statthalter sowie Offiziere im Dienst Frankreichs, des Piemonts, Spaniens und des Hl. Stuhls hervor. Die Q. besassen Lehen im ganzen französischsprachigen Teil des Wallis, so 1606-1798 das Viztum Massongex, 1609-45 die Herrschaft Marclay im Chablais und 1723-98 das Lehen Neuvecelle. Zwischen 1570 und 1798 setzten die Äbte von Saint-Maurice häufig Mitglieder der Fam. als Grosskastlane der klösterl. Herrschaften ein. 1600 stellte der Hzg. von Savoyen Antoine ( -> 2), Jacques und Jost einen Adelsbrief aus, den der Bf. von Sitten 1617 gegenüber Jacques bestätigte. 1816 verlieh Kg. Viktor Emanuel I. Jacques ( -> 3) den Grafentitel. Die Fam. zählte über ein Dutzend geistl. Würdenträger, darunter mit Georges 1618-40 und Jean Jodoc ( -> 4) zwei Äbte von Saint-Maurice. Ausserdem stellte sie zahlreiche Offiziere und Politiker, so den bereits erw. Antoine und dessen Bruder Jacques (1578-1638), der Lehen in Vouvry, Illiez, Saint-Maurice und Charmottaz (Bouveret) sowie das Viztum Massongex erwarb. Joseph-François-Emmanuel-Philibert (1681-1738), genannt le Grand Vidomne, baute nach der Feuersbrunst von 1693 das Rathaus von Saint-Maurice wieder auf und kaufte das Lehen von Neuvecelle. Louis-Antoine (1737-1828), der 1776-90 Kastlan von Saint-Maurice und 1774-98 von Salvan war, wirkte als letzter Viztum von Massongex sowie als Geschäftsträger des franz. Residenten. Die Q., die mit allen bedeutenden Fam. des Unterwallis sowie den Stockalper, de Preux und Kuntschen aus dem Oberwallis verschwägert waren, erloschen in der männl. Linie mit dem Ingenieur Adrien ( -> 1) und in der weibl. Linie mit dessen Tochter Marie-Thérèse (1864-1941).


Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 7, 879-888
Walliser Wappenbuch, 1946, 203 f.
Ann. val., 1971, 326-329
Neues Walliser Wappenbuch 2, 1974, 182
– Biner, Walliser Behörden, 354

Autorin/Autor: Ignace Carruzzo / GL