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Olivone

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Ehem. polit. Gem. TI, Bez. Blenio, seit 2006 zusammen mit Aquila, Campo (Blenio), Ghirone und Torre Teil der polit. Gem. Blenio. Die auf 900 m Höhe in einer weiten Talmulde am Monte Sosto an der Route zum Lukmanierpass und zum Übergang über die Greina gelegene Gem. umfasste die Weiler Scona, Sommascona sowie Lavorceno und erstreckte sich über 76,2 km2. 1193 Alivoni, 1205 Orivono, rätorom. früher Luorscha. 1567 593 Einw.; 1602 1'000; 1682 1'018; 1745 734; 1785 640; 1801 644; 1850 758; 1900 765; 1950 707; 1960 930; 2000 845.

Die polit. Macht im oberen Bleniotal lag in den Händen eines Zweigs der Fam. da Torre, der Güter in O. besass und die Patronatsrechte an der Pfarrkirche beanspruchte, bis der Schwur von Torre 1182 die Vormachtstellung des Geschlechts beendete. 1213 erhoben sich die Gem. O. und Aquila vereint gegen die Fam. da Locarno, die von den Domherren von Mailand mit der Machtausübung betraut worden war, und erreichten, dass das Tal wie bis anhin durch Statthalter aus der Lombardei regiert wurde. Die Versammlung der Freien, die ab 1136 belegt ist, sorgte für die Verwaltung der gemeinen Wälder, Alpen und Weiden, die sich bis zum Lukmanierpass und zur Greina erstreckten; ab dem Ende des 14. Jh. nutzte O. in Pacht die Alp Santa Maria (rätorom. Sontga Maria), die der Abtei Disentis gehörte. Die Nachbarschaft O., zu der ab der 1. Hälfte des 14. Jh. auch die Einwohner von Campo (Blenio) und Largario (heute Gem. Acquarossa) zählten, war als einzige im Bleniotal in drei Degagne unterteilt. Das örtl. Gewohnheitsrecht wurde in den Satzungen von 1237 und 1474 schriftlich fixiert.

Im FrühMA war O. wahrscheinlich Zentrum einer Pieve, der das ganze Tal unterstand. Ab dem Hoch- bzw. SpätMA verlief seine Geschichte parallel zu jener des gesamten Tals. Die 1136 erw. Pfarrkirche S. Martino, die im 17. Jh. umgebaut und 1974 sowie 1984-91 restauriert wurde, enthält Fresken aus dem 17. und 18. Jh.; wertvolle Einrichtungsgegenstände und Paramente sind in der Cà da Rivöi (Rivöi ist der Dialektausdruck für O.) ausgestellt, einem Gebäude aus dem 15. Jh. An der Lukmanierstrasse standen das 1104 belegte Hospiz SS. Sepolcro e Barnaba in Casaccia (heute Gem. Blenio), das auch als Sust diente, und das 1254 erw. Hospiz S. Defendente in Camperio (heute Gem. Blenio). Die vermutlich von adligen Geschlechtern wie den da Torre und den da Lodrino gegr. Hospize wurden später von der Nachbarschaft verwaltet und hatten bis ins 15. Jh. grosse soziale und wirtschaftl. Bedeutung. Zu Einkünften aus der Landwirtschaft (Milchwirtschaft und Viehzucht) kamen ab dem 15. Jh. und v.a. im 19. Jh. solche aus der Auswanderung hinzu; viele Bewohner emigrierten zunächst für eine gewisse Zeit und dann häufig endgültig in europ. Länder wie Italien, Frankreich und England sowie in die übrige Schweiz. Unter den Handwerkern aus O. genossen v.a. die Chocolatiers in Italien und Frankreich ab dem 17. Jh. einen guten Ruf. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. kam auch der Tourismus im Ort auf, der im 20. Jh. durch Initiativen für Natur- und Heimatschutz weiter gefördert wurde (z.B. Schaffung des Centro ecologico e socio-culturale UomoNatura 1986 in Acquacalda, Gem. Blenio). Zu Beginn des 21. Jh. war das Dorf für seinen Winter- und Sommertourismus bekannt. O. bewahrte seinen landwirtschaftl. Charakter, ist aber auch Sitz der 1956 gegr. Blenio Kraftwerke AG sowie einiger Baufirmen. Es beherbergt das Alpine Institut für Chemie und Toxikologie (2006) der Alpinen Stiftung für die Lebenswissenschaften. 2005 waren 22% der Arbeitsplätze in O. im Primärsektor angesiedelt.


Archive
– BurgerA O.
Quellen
MDT, Ser. 3
Literatur
– Meyer, Blenio
– G. Bolla, La storia di O., 1931, (Neudr. 1983)
– G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990
HS IX/1, 196-211
Ticino ducale
– P. Ostinelli, Il governo delle anime, 1998
– A. M. Ghezzi, «Ospedali di passo», in BSSI, 2002, 397-413

Autorin/Autor: Isabella Spinelli / CN