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Malvaglia

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Polit. Gem. TI, Bez. Blenio. Die Gem. umfasst das Dorf M., das aus einigen Fraktionen besteht und auf der linken Seite des Flusses Brenno liegt, sowie das gleichnamige Tal mit Siedlungskernen, die bis zu Beginn des 20. Jh. bewohnt waren. 1205 de Malvallia, dt. früher Manglia. 1602 1'164 Einw.; 1808 1'056; 1850 1'647; 1880 2'022; 1900 1'606; 1950 1'120; 2000 1'172. M. teilt die geschichtl. Entwicklung des Bleniotals. In der Fraktion Rongie, einem alten Ort an der Lukmanierstrasse, wurde ein röm. Münzenlager gefunden. Dort steht auch die aus dem 16. Jh. stammende und im 17. Jh. erweiterte Casa Baggio, die vermutlich erster Sitz der Landvögte war. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. Oberhalb des Dorfes sind zudem die Reste einer Casa dei pagani, einer Grottenburg aus dem 11.-13. Jh., zu sehen. Die ursprüngliche, schon 1207 erw. Pfarrkirche war S. Benedetto geweiht; der heutige Bau mit Martinspatrozinium stammt von 1602-03, der Glockenturm aus dem 13. Jh. Wirtschaftlich dominierten die Land- und Viehwirtschaft sowie der Rebbau. Die Auswanderung, bis ins 19. Jh. nach Italien, im 19. und 20. Jh. v.a. nach Frankreich, England, aber auch nach Amerika, führte ab Ende des 19. Jh. zu einem starken Bevölkerungsrückgang. 1933-59 war zwischen M. und Ponterio im Malvagliatal die erste Seilbahn des Kantons in Betrieb. 1995 wurde eine neue Seilbahn auf den Monte Dagro eingeweiht. In den 1940er Jahren entstand für den Bau des Stausees die Strasse ins Malvagliatal. Die Umfahrungsstrasse um das Dorf M. wurde 1976 eröffnet. 2000 waren ca. ein Drittel bzw. die Hälfte der Beschäftigten in M. im 2. und 3. Sektor tätig, mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen arbeitete auswärts.


Quellen
MDT, Ser. 3
Literatur
– L. Solari, Blenio: una valle a confronto, 1998
M., hg. von A. Benzonelli, 2004

Autorin/Autor: Sonia Fiorini / CN