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Lottigna

Ehem. polit. Gem. TI, Bez. Blenio, seit 2004 Teil der polit. Gem. Acquarossa. Die im mittleren Bleniotal gelegene Gem. umfasste das gleichnamige Dorf auf einer Terrasse links des Brenno sowie die Fraktion Acquarossa in der Talsohle. 1201 Lotingnia dt. früher Luthynien. 1682 105 Einw.; 1808 101; 1850 136; 1900 125; 1950 131; 1970 79; 2000 79. Im MA teilte L. die Geschicke des Bleniotals. Während der rund drei Jahrhunderte dauernden eidg. Herrschaft war L. Sitz der Vertreter von Uri, Schwyz und Nidwalden. Zentrum der gemeinen Herrschaft Blenio war der Palazzo del Pretorio (auch casa dei landfogti genannt), ein stattliches, mit zahlreichen Wappen geschmücktes Gebäude (1968-72 renoviert), das unter Verwendung älterer Grundmauern (1461) wohl im 16. Jh. erbaut worden war. Nach der Gründung des Kt. Tessin diente es als Gefängnis und Bezirksgericht. Letzteres wurde 1891 nach Acquarossa, anschliessend nach Comprovasco verlegt. Seit 1979 beherbergt es mit dem Museo di Blenio das wichtigste Museum des Tals. Die heutige Kirche SS. Pietro e Paolo geht auf das Jahr 1632 zurück. Ein der Mutter Gottes geweihter Vorgängerbau ist schon im 13. Jh. belegt. Die im Talgrund errichtete Kapelle S. Sebastiano ist mit bedeutenden spätgot. Fresken ausgestattet (1445, restauriert 1995). Die Pfarrei entstand 1555 nach der Loslösung von Torre; 1927 wurden die beiden Pfarreien wieder vereint. Die Wirtschaft von L. fusste v.a. auf Ackerbau und Viehzucht sowie auf Einkünften aus der Auswanderung. 1887 wurde in Acquarossa das Albergo delle Terme (Mineralquellen, Fango) eröffnet, das sich zum tourist. Zentrum des Tals entwickelte, 1971 aber seine Tore schloss. Bestrebungen zur Wiedereröffnung sind im Gange. 2000 stellte der Dienstleistungssektor einen Drittel der Arbeitsplätze in L.; zwei Drittel der Erwerbstätigen waren Wegpendler.


Quellen
MDT, Serie 3
Literatur
– F. Ambrosetti et al., Blenio 71, 1972
– L. Solari, Blenio: una valle a confronto, 1998

Autorin/Autor: Sonia Fiorini / CS