• <b>Ernest Ansermet</b><br>Der Dirigent studiert eine Partitur mit Lola Benda, die am Concours d'exécution musicale Genève 1940 den ersten Preis für Violine gewann, Foto von  Roland Schlaefli (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne).

Ansermet, Ernest

geboren 11.11.1883 Vevey, gestorben 20.2.1969 Genf, ref., von Vevey, Ehrenbürger von Genf, Lausanne und Vevey. Sohn des Gabriel, Vermessungsingenieurs, und der Marie geb. Charoton. ∞ 1) Marguerite Jaccottet (gestorben 1940), Primarlehrerin, 2) 1941 Juliette Salvisberg, Sängerin. 1903 Lizentiat in Naturwiss. und Mathematik in Lausanne. 1906-11 und 1914-15 Lehrer am Progymnasium von Lausanne. A. nahm Kompositionsunterricht bei Alexandre Dénéréaz, weilte 1905-06 in Paris, 1909 in München und Berlin. 1911 dirigierte A. sein erstes Konzert in Lausanne und wurde Nachfolger von Francisco de Lacerda als Dirigent des Kursaalorchesters von Montreux (bis 1914). Zusammen mit seinem Freund Charles Ferdinand Ramuz gehörte er 1914 zu den Mitbegr. der "Cahiers vaudois". Ab 1915 dirigierte er die Abonnementskonzerte in Genf, dann ging er bis 1923 mit dem russ. Ballett von Sergej Diaghilew auf Tournee (1916 USA, 1917 Italien und Spanien, 1917-18 Argentinien). Im Sept. 1918 leitete A. in Lausanne die Uraufführung der "Histoire du Soldat" von Ramuz und Igor Strawinsky. Im Nov. gleichen Jahres gründete er in Genf das Orchestre de la Suisse romande (OSR), dessen fester Chefdirigent er bis 1967 blieb und dessen Überleben er 1938 durch den sog. Plan A. sicherte (Unterstützung durch Mäzene, Behörden und Radio). 1922 gründete A., der 1918 das Komponieren aufgegeben hatte, zusammen mit Alban Berg und Anton von Webern die Internat. Ges. für zeitgenöss. Musik in Europa. 1928 zählte er zu den Mitbegr. des Pariser Symphonieorchesters. Ab 1925 war er regelmässiger Gastdirigent der grössten Orchester der USA, Lateinamerikas (Argentinien, Mexiko), Westeuropas und der Sowjetunion. Nach 1945 nahm er seine internat. Gastspielreisen mit dem OSR wieder auf. Er hat unzählige Werke seiner Zeitgenossen, die z.T. auch seine Freunde waren, uraufgeführt: Gustave Doret, Strawinsky, Erik Satie, Manuel de Falla, Arthur Honegger, Paul Hindemith, Bohuslav Martinů, Béla Bartók, Frank Martin und Benjamin Britten. Ihm sind zahlreiche Tonaufnahmen zu verdanken, die sowohl dem klass. als auch dem modernen Repertoire gewidmet sind. In seinen versch. Schriften über Musikphilosophie verteidigte er die tonale Musik.

<b>Ernest Ansermet</b><br>Der Dirigent studiert eine Partitur mit Lola Benda, die am Concours d'exécution musicale Genève 1940 den ersten Preis für Violine gewann, Foto von  Roland Schlaefli (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne).<BR/>
Der Dirigent studiert eine Partitur mit Lola Benda, die am Concours d'exécution musicale Genève 1940 den ersten Preis für Violine gewann, Foto von Roland Schlaefli (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne).
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Werke
Grundlagen der Musik im menschl. Bewusstsein, 1965 (franz. 1961)
(zusammen mit J.-C. Piguet) Gespräche über Musik, 1973 (franz. 1963)
Ecrits sur la musique, hg. von J.C. Piguet, 1971
Archive
– BCUL und BPUG, Nachlass und Werkkat.
Literatur
– A. Ansermet, Ernest A., mon père, 1983
– F. Hudry, Ernest A., pionnier de la musique, 1983
– J.-J. Langendorf, Ernest A., oder eine Leidenschaft für das Authentische, 1997, (franz. 1997)

Autorin/Autor: Jean-Jacques Langendorf / MS