• <b>Charles Pictet-de Rochemont</b><br>Lithografie nach einem Porträt von  Amélie Munier-Romilly,   um 1815 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).

No 7

Pictet [-de Rochemont], Charles

geboren 21.9.1755 Genf, gestorben 28.12.1824 Genf, ref., von Genf. Sohn des Charles, Offiziers in holländ. Diensten, und der Marie Dunant. Bruder des Marc-Auguste ( -> 20). ∞ 1786 Adélaïde-Sara de Rochemont, Tochter des Ami, Staatsschreibers. P. besuchte das Seminar Haldenstein bei Chur, wo er Deutsch lernte und Kontakte zu vielen Eidgenossen knüpfte. 1775-85 stand P. als Sous-Aide-Major im Regiment Diesbach in franz. Diensten. Ab 1788 sass er im Genfer Rat der Zweihundert und war ab 1790 Auditor. 1792 diente er als Major der Genfer Legion. Nach der Genfer Revolution wurde P. 1793 mit seinem Bruder Marc-Auguste in die Nationalversammlung gewählt. Als Anhänger eines aufgeklärten Patriotismus trat er aus Protest gegen die Auswüchse des Jakobinismus vor Ende des Jahres zurück. Im Aug. 1794 wurde er vom ersten Revolutionsgericht zu einem Jahr Hausarrest verurteilt, jedoch drei Wochen später vom zweiten Revolutionsgericht amnestiert. Während fast zwei Jahrzehnten verzichtete P. auf jegliche polit. Tätigkeit, widmete sich sowohl der Monatsschrift "Bibliothèque britannique", die er 1796 mitbegründet hatte, als auch der Viehzucht auf prakt. wie theoret. Ebene. In Lancy züchtete er erfolgreich Merinoschafe, die er aus Rambouillet eingeführt hatte, und exportierte sie sogar nach Ungarn und Odessa (Gut Novoï Lancy). Seine Wollschals erlangten eine gewisse Bekanntheit.

<b>Charles Pictet-de Rochemont</b><br>Lithografie nach einem Porträt von  Amélie Munier-Romilly,   um 1815 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).<BR/>
Lithografie nach einem Porträt von Amélie Munier-Romilly, um 1815 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
(...)

Am 30.12.1813, am Tag nach dem Abzug der franz. Garnison aus Genf, verfasste P. mit Ami Lullin und Joseph Des Arts die Erklärung der provisor. Regierung. 1814-15 nahm er als Gesandter an den zwei Pariser Kongressen sowie an demjenigen in Wien, 1816 auch am Turiner Kongress teil und half so als Genfer, später eidg. Diplomat mit, eine Neuordnung Europas nach 1814 herbeizuführen. Er erreichte, dass Genf zu einem Hinterland gelangte und sein Gebiet eine Verbindung zur übrigen Eidgenossenschaft erhielt. Zu diesem Zweck wurden Genf am linken Seeufer sardin.-piemontes. Gemeinden, am rechten Ufer franz. Gemeinden abgetreten, die sog. Communes réunis, und im ganzen Pays de Gex wurde eine (Zoll-)Freizone errichtet. Am 20.11.1815 erzielte P. mit der internat. Anerkennung der immerwährenden Neutralität und territorialen Unverletzlichkeit der Schweiz einen weiteren Erfolg. Sein Wirken trug ihm den Ruf eines Landesvaters ein. Ab 1817 liess sich P. ein klassizist. Landgut bauen, das heute als Rathaus von Lancy dient.


Werke
Genève et les traités de 1815: correspondance diplomatique de P. de Rochemont et de François d'Ivernois, 2 Bde., hg. von L. Cramer, 1914
Archive
– Nachlässe in: AEG und BGE
Literatur
– E. Pictet, Biographie, travaux et correspondance diplomatique de Charles P. de Rochemont, 1892
– J.-D. Candaux, Histoire de la famille P., 1474-1974, Bd. 2, 1974, 287-310
– P. Widmer, Schweizer Aussenpolitik und Diplomatie, 2003, 36-95

Autorin/Autor: Barbara Roth / PTO