Sementina

Ehemalige politische Gemeinde TI, Bezirk Bellinzona, seit 2017 mit Camorino, Claro, Giubiasco, Gnosca, Gorduno, Gudo, Moleno, Monte Carasso, Pianezzo, Preonzo und Sant'Antonio Teil der Gemeinde Bellinzona. S. liegt am Ausgang des gleichnamigen Tals auf einem Schuttkegel am rechten Ufer des Tessins. 1230 Somentina. 1591 300 Einw.; 1692 160; 1795 170; 1850 310; 1900 345; 1950 534; 1960 618; 2000 2'646. Gräberfeld aus der Eisenzeit, röm. Funde. Das Domkapitel Como besass in S. Güter und Rechte, die es 1264 an die Fam. Muralto, 1277 an die da Gnosca und 1335 an die Orelli verlieh. 1335 sind S. sowie Muyro (Moiro), der heutige Dorfteil Sant'Antonio, als Gemeinde nachgewiesen. Im Gemeindeverzeichnis der Grafschaft Bellinzona von 1363 ist auch die Höhensiedlung Piancalardo als selbstständige Gemeinde erwähnt. 1465 übte das Kapitel Bellinzona dort das Zehntrecht aus. Die Einwohner S.s waren nach Bellionzona kirchgenössig, bis sich der Ort 1440 von der Mutterkirche trennte und mit Moiro, Piancalardo und Gudo eine eigene Pfarrei bildete, von der sich Gudo seinerseits 1631 löste. Die 1291 erw. Kirche S. Michele ersetzte die noch 1285 belegte, durch eine Überschwemmung zerstörte Kirche S. Eusebio. Im 17. Jh. wurde sie erneuert, wahrscheinlich 1761 erweitert und später mehrfach renoviert (letztmals 2000-02). Haupterwerbsquellen bildeten Viehwirtschaft und v.a. der Ackerbau, dem die gegen Ende des 19. Jh. eingeleitete Entwässerung der Magadinoebene zugute kam. In der 1. Hälfte des 20. Jh. liessen sich in der Gemeinde kleine Industriebetriebe (Karton- und der Keramikproduktion) nieder. Die längs des Wildbachs S. sichtbaren sog. fortini della fame (Hungerfestungen) wurden gebaut, um die Tessiner Flüchtlinge zu beschäftigen, die 1853 aus der Lombardei ausgewiesen worden waren. Ab den 1960er Jahren entwickelte sich S. wegen der Nähe zu Bellinzona und der günstigen Verkehrslage (Anschluss an die Autobahn A2) rasch zur Wohngemeinde. 2000 arbeiteten über drei Viertel der Erwerbstätigen ausserhalb von S., v.a. in Bellinzona.


Literatur
– Gilardoni, Inventario, 277-284
Il Comune, 1971, 277-286
Storia di gente e di luoghi, 2006

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / CHM