Pianezzo

Ehemalige politische Gemeinde TI, Bezirk Bellinzona, seit 2017 mit Camorino, Claro, Giubiasco, Gnosca, Gorduno, Gudo, Moleno, Monte Carasso, Preonzo, Sant'Antonio und Sementina Teil der Gemeinde Bellinzona. P. liegt am Eingang des Valle Morobbia und umfasste die oberhalb des Dorfes gelegene Fraktion Paudo. 1382 Planezio. 1671 202 Einw.; 1769 197; 1850 328; 1900 342; 1950 278; 2000 489. 1905 kam ein bedeutendes Gräberfeld aus der Eisenzeit zum Vorschein, das sich der Golaseccakultur zuordnen lässt und deren Funde Kontakte mit Bewohnern der Alpenregion nahelegen. Östlich des Orts finden sich ferner einige ma. Ruinen, die vermutlich zu einem Festigungswerk oder einem Zollposten röm. bzw. vorröm. Herkunft gehörten. Im 15. Jh. besass das Kapitel S. Pietro in Bellinzona Reben und Hofstätten in P. Die Squadra bzw. Fraktion P. bildete einen Teil der ma. Gemeinde und ab 1803 der polit. Gemeinde Vallemorobbia. 1831 wurde sie selbstständig, nachdem die alte Gemeinde in die drei neuen Gemeinden P., Sant'Antonio und Vallemorobbia in Piano aufgeteilt worden war. Kirchlich unterstand P. bis 1600 der Mutterkirche in Bellinzona, dann der Kirche SS. Giacomo e Filippo, die im 16. Jh. auf den Mauerresten einer früheren Kirche erbaut worden war (1960-70 und 2002-03 Renovationen). 1680 wurde P. selbstständige Pfarrei. Die für das Valle Morobbia typische ländl. Bauweise ist noch in einigen Turmhäusern im Dorfkern sichtbar. Die Wirtschaft beruhte traditionell auf Landwirtschaft und Viehzucht. Noch heute wird der Weinbau als Nebenerwerb betrieben. Zahlreiche Zweitwohnungen kennzeichnen den Ort. Zu Beginn des 21. Jh. pendelten mehr als drei Viertel der Erwerbstätigen von P. nach Bellinzona und Giubiasco.


Literatur
– A. Crivelli, Atlante preistorico e storico della Svizzera italiana, 1943, (ergänzter Neudr. 1990)
– Gilardoni, Inventario, 256-258
– V. Gilardoni, Il Romanico, 1967, 476 f.

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / CN