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Monte Carasso

Polit. Gem. TI, Bez. Bellinzona. Die auf einem Schuttkegel am rechten Ufer des Tessins gelegene Gem. gehört zur städt. Agglomeration Bellinzona. 1348 Monte Carassio. 1591 709 Einw.; 1784 600; 1801 496; 1850 619; 1900 956; 1950 1'064; 1990 1'610; 2000 2'133. Im MA und in der frühen Neuzeit hatte M. Anrecht auf einen ständigen Vertreter im Rat von Bellinzona. Die Bewohner des in vier Squadren gegliederten Dorfs lebten vorwiegend in den versch. Fraktionen am Berg. Kirchlich trennte sich M. 1634 von Bellinzona. Die 1905-06 restaurierte Pfarrkirche SS. Bernardino e Girolamo wurde wahrscheinlich gegen Ende des 15. Jh. an der Stelle einer rom. Betkapelle erbaut; gleichzeitig entstand der angegliederte Augustinerinnenkonvent. 1555 löste sich Letzterer vom Frauenkonvent S. Maria Elisabetta in Como. 1857 wurde er aufgehoben. Die Kirche S. Bernardo geht auf das 12.-13. Jh. zurück und enthält bedeutende Fresken der Seregneser Meister aus dem 15. Jh.; die Kapelle Madonna della Valle entstand im 17. Jh. 1655 wurde der Bau der Betkapelle SS. Trinità vollendet. Ab 1506 besassen die Dorfgenossen von M. das Fährrecht über den Fluss Tessin. Die Fähre wurde zu einer wichtigen Verbindung über den Fluss, als 1515 die Torrettabrücke zerstört und erst 1815 wieder aufgebaut wurde. Weidewirtschaft und Ackerbau bildeten während Jahrhunderten die Haupteinkommensquelle der Bevölkerung. Ab Mitte des 19. Jh. wanderten zahlreiche Einwohner nach Übersee aus. Zur Arbeitsbeschaffung für die 1853 aus der Lombardei ausgewiesenen schweiz. Flüchtlinge wurden im Gebiet von M. Befestigungen, die sog. fortini della fame, errichtet. Nach einem Projekt von Luigi Snozzi wurde ab den 1980er Jahren der Dorfkern neu gestaltet. 1987-93 wurde in einer ersten Etappe das ehem. Augustinerinnenkonvent wiederhergestellt, das heute die Primarschule und das Kulturzentrum beherbergt (Wakker-Preis 1993). 1998 wurde die Fondazione Curzutt gegründet mit dem Ziel, die alte Siedlung auf der Collina Alta oberhalb von M. wieder zu beleben. 2000 waren drei Viertel der Erwerbstätigen ausserhalb der Gem. beschäftigt.


Literatur
M., hg. von A. Gilardi, 1993
M., hg. von S. Vassere, 1993

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / GL