23/06/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Gudo

Polit. Gem. TI, Bez. Bellinzona. Die Gem. setzt sich aus versch. Weilern zusammen, darunter Progero; das besiedelte Gebiet liegt am Bergfuss auf der rechten Seite der Magadinoebene. 1277 Gudio. 1671 100 Einw.; 1769 150; 1850 296; 1880 390; 1888 583; 1900 373; 1950 435; 1990 501; 2000 679.

1 - Urgeschichte

1909-10 wurde bei Arbeiten am Flussbett des Ticino im Weiler Progero ein ausgedehntes urgeschichtl. Gräberfeld freigelegt. Die ältesten Fundstücke sind Keramikfragmente, die darauf hinweisen, dass das Gebiet möglicherweise schon in der Frühbronzezeit (17.-16. Jh. v.Chr.) besiedelt war; ausserdem fand man Grabkeramik aus der beginnenden Spätbronzezeit (13.-12. Jh. v.Chr.). Der grösste Teil der Nekropole (mit über 300 Gräbern) entstand in der Eisenzeit, vom 6. Jh. v.Chr., als die Golasecca-Kultur vorherrschte, bis ins 2. Jh. v.Chr. Es handelt sich fast ausschliesslich um Erdbestattungen. Die Gräber sind von Steinmäuerchen eingefasst und mit Platten oder mit rund angeordneten Steinen bedeckt; in einigen Fällen liessen inschriftslose Stelen aus Stein auf Gräber schliessen. Aus der beginnenden bzw. entwickelten Spätbronzezeit stammen Grabbeigaben in Form bikonischer, linsenartiger Urnen; typisch für die Golasecca-Zeit sind Beigaben von einem oder mehreren Keramikgefässen (Urne, Schüssel, Becher und seltener eine Kanne) zusammen mit Schmuckgegenständen aus Bronze (Fibeln, Ohrringe, Anhänger, Gürtelschnallen) und aus Bernstein (Ketten, Perlen für Ohrringe und Anhänger). Unter den Bronzegefässen findet man in G. einige Situlen (eimerartige Gefässe), hingegen fehlen die anderen typ. Gefässe der Golasecca-Kultur (Schnabelkannen, Zisten), die gewöhnlich am Ort hergestellt oder eingeführt wurden. Besonders bemerkenswert ist ein Becher (aus der Wende vom 6. zum 5. Jh. v.Chr.) mit eingeritzten Zeichen im Alphabet "von Lugano", das auch "lepontisches" Alphabet genannt wird.

Das Gräberfeld wurde auch in der folgenden Periode benutzt. Dies bestätigt, dass der Ort in der Latènezeit, während der kelt. Gruppen von jenseits der Alpen gegen das südalpine Gebiet und die Poebene vordrangen, ebenfalls besiedelt war. Die Grabbeigaben bestanden weiterhin aus Keramikgeschirr, dazu kamen typ. Fibeln vom Latènetyp, Perlen aus Glaspaste und Bernstein, Ringe aus Bronze oder Silber und Anhänger.

Autorin/Autor: Simonetta Biaggio Simona / PTO

2 - Mittelalter und Neuzeit

1264 verfügten die Johanniter von Contone, die Mensa des Bf. von Como, die Kapitel Bellinzona und Locarno und die Locarneser Adelsfam. Muralto und Magoria über grundherrl. Rechte in G. 1363 erscheinen G. und Progero als getrennte Gemeinden. In Progero befindet sich die roman. Kirche S. Maria, die im 17. Jh. umgebaut wurde. Hier soll gemäss Überlieferung auch ein Benediktinerkloster bestanden haben. G. und Sementina trennten sich 1440 von der Mutterkirche Bellinzona. Ausgrabungen in der Pfarrkirche S. Lorenzo konnten 1992 einen Vorgängerbau aus dem 6.-7. Jh. nachweisen: Es handelt sich um den ältesten archäologisch bezeugten Kultraum im Bellinzonese. Das heutige Gotteshaus geht auf 1615 zurück (Restaurierung 1990-2000). 1888 nahm man die Korrektion des Flusses Tessin in Angriff, was einen Anstieg der Einwohnerzahl nach sich zog. 1907 wurde die Eisenbrücke errichtet, dann folgte die Strasse, die G. durch die Magadinoebene mit Cadenazzo verbindet. 1932-36 baute der Kanton in G. einen Landwirtschaftsbetrieb (Demanio agricolo) auf. Das Gemeindegebiet wird in der Magadinoebene v.a. ackerbaulich genutzt, während sich an den Hängen um G. weite Rebberge ausdehnen; zu Beginn des 20. Jh. war G. das wichtigste Zentrum des Tessiner Weinbaus. Noch heute gehören die Weinberge zu den grössten des Kantons. G. ist in erster Linie Wohngemeinde, 2000 arbeiteten die meisten Einwohner ausserhalb der Gemeinde.

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / PTO

Quellen und Literatur

Literatur

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / PTO