No 93

Meyer, Johann Rudolf

geboren 25.2.1739 Aarau, gestorben 11.9.1813 Aarau, ref., von Aarau. Sohn des Johann Rudolf, Weissgerbers, und der Maria Ursula Müller. ∞ 1) 1766 Elisabeth Hagnauer, Tochter aus angesehener Aarauer Bürgerfam., 2) 1783 Marianna Renner, von Nidau. Geringe Schulbildung, 1753 einjähriger Aufenthalt in Lausanne, Lehre in der Seidenbandfabrik Abraham Rothpletz in Aarau, nach deren Verkauf bei Brütel in Schafisheim, anschliessend Wanderjahre in der Schweiz, Deutschland und Polen. Zuerst eigener Tuchvertrieb, dann Übernahme der wenig florierenden Seidenbandfabrik Brütel, seit 1783 eigene, erfolgreiche Seidenbandfabrik in Aarau, Export nach Europa und bis Ost- und Westindien. 1788/89 Gründer des Aarauer Kadettenkorps, 1798-1800 Mitglied des Helvet. Senats, 1802 Mitglied der eidg. Consulta in Paris. M. leitete zum ersten Mal Quellwasser als Ersatz für das verschmutzte Stadtbachwasser in die Stadt Aarau. Als Präs. der Helvet. Gesellschaft wies er 1792 auf die Notwendigkeit der Linthkorrektion hin. Er liess zwischen 1786 und 1797 durch Johann Heinrich Weiss und Joachim Eugen Müller ein Relief des ganzen Alpenmassivs nach dem Muster des Gebirgsreliefs von Franz Ludwig Pfyffer und den "Atlas suisse" in 16 Blättern (erschienen 1796-1802), den sog. "Meyer-Weiss-Atlas", herstellen. M. beauftragte den Luzerner Maler Joseph Reinhart mit der Ausführung des berühmten Trachtenbilderzyklus (heute im Hist. Museum Bern). Er gilt als einer der Hauptinitianten und grosszügiger finanzieller Unterstützer der 1802 eröffneten aarg. Kantonsschule und leistete später finanzielle Mithilfe beim Ausbau der Töchternschule. Hauptmann einer Kompanie des sog. Lenzburger Regiments.


Archive
– StAAG
Literatur
BLAG, 541
NDB 17, 354 f.
– T. Klöti, «Das Probeblatt zum "Atlas suisse" (1796)», in Cartographica Helvetica, 1997, H. 16, 23-30
Aarauer Njbl., 2003, 62-91
– G. Ammann, 200 Jahre "Atlas suisse", 2003

Autorin/Autor: Sarah Brian Scherer