18/07/2003 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Camorino

Polit. Gem. TI, Bez. Bellinzona, heute Teil des Ballungsraums Bellinzona, durchquert von Transitstrassen und Bahnlinien. 1591 400 Einw.; 1698 211; 1784 300; 1850 321; 1880 483; 1900 405; 1950 702; 2000 2'210. Erwähnt wird C. erstmals 1237 in Urkunden, welche Güter und versch. Gebäude des Kapitels S. Pietro in Bellinzona betreffen. Von der 1237 und 1285 genannten rom. Kirche haben sich keine sichtbaren Spuren erhalten. Die bestehende Pfarrkirche S. Martino trägt die Jahreszahl 1553, wurde aber 1888 vollständig erneuert. 1583 trennte sich C. kirchlich von Bellinzona und wurde 1591 als eigene Pfarrei bestätigt.

Von altersher überschritten die Einwohner von Isone regelmässig die Alp Tiglio nach C., wo sie Reben und Ackerland besassen; viele liessen sich schliesslich in C. nieder. Zur Arbeitsbeschaffung für die Tessiner, die 1853 aus dem Lombardo-Venezian. Königreich ausgewiesen worden waren, wurde u.a. zwischen Sementina und C. eine Verteidigungslinie gebaut. Noch heute kann man diese sog. fortini della fame sehen, fünf Rundtürme mit Schiessscharten im oberen Teil. Ursprünglich war C. ein reines Bauerndorf (Reben, Erdbeerkulturen, Viehzucht) mit etwas Handwerk, Gewerbe und Industrie (Strickwaren, Mühle, Teigwaren), dessen Einwohner z.T. nach Amerika auswanderten. Das Bevölkerungswachstum fällt zusammen mit dem Aufschwung von Giubiasco (Industrie) und Bellinzona (Dienstleistungen). Heute ist C. eine Wohngemeinde mit vielen Pendlern, ohne grosse Industriebetriebe und mit nur noch wenig Landwirtschaft und Blumenzucht.


Literatur
– Gilardoni, Inventario, 181 f.
400o di fondazione della parrocchia di C., 1983

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / AW