Camorino

Ehemalige politische Gemeinde TI, Bezirk Bellinzona, seit 2017 mit Claro, Giubiasco, Gnosca, Gorduno, Gudo, Moleno, Monte Carasso, Pianezzo, Preonzo, Sant'Antonio und Sementina Teil der Gemeinde Bellinzona. Von Transitstrassen und Bahnlinien durchquert. 1591 400 Einw.; 1698 211; 1784 300; 1850 321; 1880 483; 1900 405; 1950 702; 2000 2'210. Erwähnt wird C. erstmals 1237 in Urkunden, welche Güter und versch. Gebäude des Kapitels S. Pietro in Bellinzona betreffen. Von der 1237 und 1285 genannten rom. Kirche haben sich keine sichtbaren Spuren erhalten. Die bestehende Pfarrkirche S. Martino trägt die Jahreszahl 1553, wurde aber 1888 vollständig erneuert. 1583 trennte sich C. kirchlich von Bellinzona und wurde 1591 als eigene Pfarrei bestätigt.

Von altersher überschritten die Einwohner von Isone regelmässig die Alp Tiglio nach C., wo sie Reben und Ackerland besassen; viele liessen sich schliesslich in C. nieder. Zur Arbeitsbeschaffung für die Tessiner, die 1853 aus dem Lombardo-Venezian. Königreich ausgewiesen worden waren, wurde u.a. zwischen Sementina und C. eine Verteidigungslinie gebaut. Noch heute kann man diese sog. fortini della fame sehen, fünf Rundtürme mit Schiessscharten im oberen Teil. C. war ein reines Bauerndorf (Reben, Erdbeerkulturen, Viehzucht), das etwas Handwerk und Gewerbe (Strickwaren, Mühle, Teigwarenfabrik) betrieb. Ein Teil der Einwohner wanderte im 19. Jh. nach Amerika aus. Das starke Bevölkerungswachstum im 20. Jh. fiel mit dem Aufschwung von Giubiasco (Industrie) und Bellinzona (Dienstleistungen) zusammen. C. entwickelte sich zu einem Wohnort mit vielen Wegpendlern, ohne grosse Industriebetriebe und mit nur noch wenig Landwirtschaft und Blumenzucht.


Literatur
– Gilardoni, Inventario, 181 f.
400o di fondazione della parrocchia di C., 1983

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / AW