Ramschwag [Ramswag], von

Niederadlige Fam., 12.-19. Jh. im Dienste des Abts von St. Gallen und Habsburgs, mit Kernbesitz in der Umgebung ihrer Burg Alt-Ramswag. Erster urkundlich belegter Vertreter ist Ulrich, 1176 Zeuge für den Bf. von Konstanz, der vielleicht mit den von Glattburg in Zusammenhang stand. 1228 erscheinen bei der Stiftung des Heiliggeistspitals in St. Gallen die Brüder Konrad und Heinrich unter den zeugenden Dienstleuten des Abts. Einen ersten Höhepunkt erreichte die Fam. Mitte des 13. Jh. Indem Ulrich (gestorben 1291) nach dessen Wahl ab 1272 den Habsburg nahe stehenden Gegenabt Ulrich von Güttingen und nach 1287 Kg. Rudolf I. in seiner Fehde gegen Abt Wilhelm von Montfort unterstützte, sicherte er sich u.a. die Reichsvogtei über die Abtei als habsburg. Pfand und die Burg Blatten im Rheintal sowie den in der Nähe seiner Burg Alt-R. liegenden Hof Waldkirch. Seinem Sohn Heinrich Walter verpfändete Albrecht von Habsburg 1278 für Kriegsdienste zudem die Vogtei Waldkirch, den bei Blatten gelegenen Hof Kriessern, den Zoll Lindau (Bayern) und die Vogtei über die freien Leute im oberen Thurgau. Mit dem Tod von Kg. Rudolf I. (1291) verlor die Fam. ihre führende Stellung in St. Gallen und verlagerte sich in den süddt. Raum, wo Heinrich Walther und sein Bruder Burkhard Dietrich ab den späten 1280er Jahren im Auftrag des Königs gemeinsam Reichsvögte zu Augsburg waren. Ihr jüngerer Bruder Konrad gelangte über seine Ehefrau in den Besitz der Burg Kemnat bei Kaufbeuren (Bayern), die seinen Nachkommen bis 1373 verblieb. Die 2. Hälfte des 14. Jh. prägte ein Streit der Fam. mit dem Abt von St. Gallen um die Burg Blatten, die Burkhart 1348 den Gf. von Werdenberg übergeben hatte. Dieser konnte erst 1375 nach der Rückgabe der Burg an St. Gallen beigelegt werden. Ab dem 15. Jh. verschob sich die Fam. zunehmend in den vorarlberg. Raum. Ihr Handlungszentrum war bis in die Mitte des 18. Jh. das Schloss Gutenberg. Als letzter männl. Vertreter der Fam. R. starb Maximilian Christoph, ein württemberg. Hauptmann, 1854 in Stuttgart.


Literatur
Die Wappenrolle von Zürich, hg. von W. Merz, F. Hegi, 1930, 61 f.
– Sablonier, Adel
– O.P. Clavadetscher, «Zu den St. Galler Ministerialen von Ramschwag», in Schweizer Beitr. zur Kulturgesch. und Archäologie des MA 29, 2002, 161-166

Autorin/Autor: Martin Leonhard