• <b>Mülner</b><br>Erste Seite der Familiengeschichte mit den aquarellierten Wappen im Zürcher Geschlechterbuch ("Stemmatologia Tigurina") von  Erhard Dürsteler,   begonnen vor 1723 (Zentralbibliothek Zürich, Ms. E 20, Fol. 383r).

Mülner

Ritterl. Ratsgeschlecht der Stadt Zürich, Dienstleute der Fraumünsterabtei. Als ältester Besitz sind Fraumünster Lehensgüter und Rechte in Stadelhofen und Fällanden sowie versch. Reichslehen im stadtnahen Gebiet überliefert. Im 13. Jh. bestanden Lehens- und Gefolgschaftsbeziehungen zu den Gf. von Kyburg, den Frh. von Eschenbach, Schnabelburg, Regensberg, Klingen, Wädenswil sowie den Gf. von Habsburg-Laufenburg und Habsburg-Österreich. Eine Intensivierung auswärtiger Heiratsbeziehungen lässt sich bereits nach 1250 erkennen, so u.a. mit den Rittern von Hünenberg, später mit den Herren von Hallwyl; Konnubien bestanden auch mit den Stadtrittern von Schönenwerd, Brun, von Hottingen und Maness-Manegg. Die Konstruktion einer durchgehenden Genealogie ist bis ins 14. Jh. wegen gleich lautender Vornamen unsicher.

Erstmals bezeugt ist die Fam. 1159 mit zwei Brüdern gleichen Namens (Rudolf). Jakob, erw. 1242 (gestorben nach 1287), Ratsmitglied und 1271 Reichsvogt in Zürich, war eine führende Figur in der Zürcher Politik. Unter seinen Söhnen Rudolf dem Älteren (erw. 1259-1317) und Rudolf dem Jüngeren (erw. 1270-1323) kam es zu einer Aufspaltung in zwei Linien, die sich sowohl hinsichtlich ihrer ökonom. Basis als auch aufgrund ihrer polit. Ausrichtung unterschieden. Rudolf der Jüngere und seine Nachkommen konzentrierten sich auf die innerstädt. Politik und waren über vier Generationen fast ausnahmslos im Rat vertreten. Die Brüder Johannes I. und Eberhard I., Söhne Rudolfs des Jüngeren, hatten zwischen 1330 und 1382 mehrmals das Schultheissenamt inne. Das Erbe dieses Zweigs fiel nach dem Tod von Johannes' I. Enkel Eberhard II. an den von Rudolf dem Älteren gegr. Zweig.

In den Jahren vor der Brun'schen Revolution kam es zu Interessenkonflikten zwischen Gottfried I., Sohn Rudolfs des Älteren, und der Stadt Zürich, die ihre Gerichtsbarkeit auf das Territorium auszudehnen suchte. Gottfried I. wurde wegen diesen Auseinandersetzungen 1321 aus dem Bürgerrecht ausgeschlossen, kehrte aber in die Stadt zurück und ist ab 1325 im Rat bezeugt. Er wird in der Historiografie zu den Anstiftern und Geldgebern des Umsturzes von 1336 gerechnet. Sein Sohn Gottfried II. (erw. 1343-83) verfolgte zunächst ebenfalls eine polit. Karriere in der Stadt, wandte sich aber gegen 1360 vermehrt der habsburg.-österr. Landesherrschaft zu, in deren Diensten ihm ein steiler polit. Aufstieg gelang; u.a. war er zeitweilig Inhaber der Herrschaft Rapperswil, österr. Vogt in Glarus, Landvogt im Aargau, Thurgau und Schwarzwald. Mit seinem Sohn Gottfried III., Burggraf im Tirol (gestorben 1386), und dem bis 1406 erw. Johanniter Rudolf starb die Fam. aus. Ein in der älteren Historiografie behauptetes Weiterbestehen des Geschlechts in Österreich beruht auf Fehlinterpretationen.

<b>Mülner</b><br>Erste Seite der Familiengeschichte mit den aquarellierten Wappen im Zürcher Geschlechterbuch ("Stemmatologia Tigurina") von  Erhard Dürsteler,   begonnen vor 1723 (Zentralbibliothek Zürich, Ms. E 20, Fol. 383r).<BR/><BR/>
Erste Seite der Familiengeschichte mit den aquarellierten Wappen im Zürcher Geschlechterbuch ("Stemmatologia Tigurina") von Erhard Dürsteler, begonnen vor 1723 (Zentralbibliothek Zürich, Ms. E 20, Fol. 383r).
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Literatur
Sablonier, Adel
– M. Lassner-Held, Der Zürcher Stadtadel 1330-1400, Liz. Zürich, 1989

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen