Manesse

Vom 13. bis 15. Jh. bezeugtes Zürcher Ministerialen- und Ratsgeschlecht unbekannter Herkunft. Die in der älteren Literatur behauptete Aufspaltung in ritteradlige und bürgerl. Zweige bereits vor 1300 ist aufgrund der urkundl. Belege nicht möglich und die Erstellung einer durchgehenden Genealogie bis nach der Mitte des 13. Jh. problematisch. Als Ministerialen der Fraumünsterabtei hatte die Fam. im 13. Jh. Lehen der Abtei, u.a. einen Hof im Hard, war zudem Lehenträger des Klosters Einsiedeln, des Reiches sowie Anfang des 14. Jh. von Gütern und Rechten der Frh. von Eschenbach in Wollishofen und verfügte über Eigengüter unbekannten Ursprungs. Verwandtschaftl. Verbindungen lassen sich nachweisen zu den Frh. von Rüssegg, den Ritteradligen von Tegerfelden, den Frh. von Breitenlandenberg sowie zu den Zürcher Stadtritterfam. Schwend, Brun und Mülner. In Zürich ist die Fam. erstmals bezeugt mit Otto, erw. 1219-32. Die vermutlich von diesem abstammende Linie starb infolge eines ungewöhnlich hohen Anteils an Zölibatären bereits in der 1. Hälfte des 13. Jh. aus. Der bedeutendste seines Geschlechts war Rüdiger II. ( -> 4). Eine erst zu Beginn des 14. Jh. explizit fassbare Verzweigung in die beiden ritteradligen Linien M. Manegg und M. im Hard, die aufgrund ihres Burgenbesitzes unterschieden wurden, erfolgte wohl unter dessen Söhnen Rüdiger III., erw. 1252-68, und Johannes ( -> 3). Seit Mitte des 13. Jh. war die Fam. M. Manegg in jeder Generation im Rat vertreten. Ulrich I., Enkel von Rüdiger III., Ratsmitglied 1317-42, profitierte von der Brun'schen Umwälzung. Der kurze polit. Aufstieg der M. Manegg begann allerdings erst nach 1360 mit der Ernennung Rüdigers VII. ( -> 5) zum Bürgermeister. Mit dem Scheitern seiner familienorientierten Machtpolitik verschlechterte sich die ökonom. Lage der Fam., die Rüdiger durch Einnahmen aus dem Bürgermeisteramt und Reichslehen zu konsolidieren versucht hatte, so dass sein Sohn Ital, der letzte der Linie M. Manegg, den Besitz sukzessive veräussern musste. Die Linie der M. im Hard wurde bereits seit dem Ende des 13. Jh. nur noch selten als ritterbürtig bezeichnet. Um 1300 bauten oder erwarben sie den Turm im Hard. Dieser Linie zuzurechnen ist wohl Heinrich, der nach 1336 den Rat verlassen musste, jedoch nicht aus der Stadt verbannt wurde. Für den allmählichen polit. Aufstieg dieses Zweigs nach der Jahrhundertmitte steht Felix ( -> 1). Auch dieser Zweig starb in der 1. Hälfte des 15. Jh. aus.


Literatur
– Sablonier, Adel, v.a. 61 f. und 123-129
– M. Lassner, Der Zürcher Stadtadel 1330-1400, Liz. Zürich, 1989

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen