Brun (ZH)

Zürcher Rittergeschlecht unsicherer Herkunft, wahrscheinlich Ministerialen der Fraumünsterabtei mit Eigengütern im Knonauer Amt. Durch Heirat kam die Fam. in den Besitz des Naglikon-Erbes; Heiratsbeziehungen bestanden auch mit den Mülner, von Esche und den bürgerl. Fütschi. In Zürich lässt sich die zahlenmässig umfangreiche Fam., die über 150 Jahre im Rat vertreten war, über sieben Generationen verfolgen. Im 13. Jh. sind B. auch als Reichslehensträger sowie Ministerialen der Frh. von Altenklingen bezeugt, im 14. Jh. als Inhaber habsburg. Pfänder. Als erster Vertreter ist 1200 Heinrich I. erwähnt, der den Beinamen B. noch nicht führte. Durch die zweimalige Heirat seines Sohns Heinrich II. kam es zur Aufspaltung in zwei Zweige, wobei der eine relativ bedeutungslos blieb. Die Hauptlinie unterteilte sich unter Jacob I., der Ratsmitglied und 1305 sowie 1309 Schultheiss war, in zwei weitere Zweige. Seinem Sohn Rudolf ( -> 17) gelang ein schneller polit. und sozialer Aufstieg. 1336 spielte er eine führende Rolle in der Zunftrevolution und wurde Bürgermeister auf Lebenszeit. Von seinen Söhnen wurden Bruno 1354 Propst des Grossmünsters und Herdegen Chorherr, während der jüngste Sohn, Ulrich, für eine weltl. Laufbahn vorgesehen war, aber bereits 1361 starb. Nach dem Tode Rudolfs 1360 konnten seine Söhne und sein Neffe Eberhard ihre Position innerhalb der Stadt trotz ökonom. Schwierigkeiten zunächst halten und versuchten, die traditionell starke Beziehung der Fam. zu Habsburg-Österreich und zum Reich weiter auszubauen. 1370 brachen Bruno und Herdegen durch die Entführung des Luzerner Schultheissen Petermann von Gundoldingen den Landfrieden. Dieses Vorkommnis sowie ein Mord durch Eberhard 1371 zogen Verbannungen und Konfiskationen nach sich und schwächten die soziale und wirtschaftl. Position der Fam. erheblich. Sie gaben mit Anlass zum sog. Pfaffenbrief (1370) sowie zum 2. Geschworenen Brief (1373) der Stadt Zürich. Letzter Vertreter des Geschlechts von polit. Gewicht war Jakob, Kleinrat 1452-59 und 1466-77, 1454 Reichsvogt in Zürich und 1468 Obervogt in Regensberg.


Literatur
– Sablonier, Adel, 123-130
– M. Lassner-Held, Der Zürcher Stadtadel 1330-1400, Liz. Zürich, 1989

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen