Sanseverino

Adelsfam. aus dem Königreich Neapel, die den Grafentitel erlangte. Ihre Mitglieder bekleideten seit dem 14. Jh. bedeutende polit. und militär. Ämter. Im 15. Jh. liessen sich einige der zahlreichen Zweige des Geschlechts, darunter insbesondere die S. von Caiazzo (Kampanien), in Norditalien nieder, wo sie als kriegserfahrene Männer in hohe Ämter gelangten und zahlreiche Ländereien erwarben. Unter den ital. Heerführern des 15. Jh. spielte Roberto (1418-87) eine herausragende Rolle; sein Sohn Antonello (1458-99) musste nach der Verschwörung von 1485-87 gegen Kg. Ferdinand I. (auch Ferrante genannt) aus dem Königreich Neapel fliehen, kehrte aber 1495 mit den franz. Truppen zurück, die zur Bekämpfung des Hauses Aragon nach Italien gerufen worden waren. Zur Zeit der Visconti und der Sforza taucht der Name der S. im Zusammenhang mit den polit. Wirren im Sottoceneri auf: Der Mailänder Hzg. Filippo Maria Visconti belehnte das Grafengeschlecht der S. von Caiazzo zwischen 1434 und 1438 mit Ländereien im Luganese und Mendrisiotto, die, wenn auch mit Unterbrechungen, bis 1485 im Besitz der Fam. blieben. Danach verloren die S. ihre Machtstellung im Gebiet der heutigen Südschweiz. Zumindest in den ersten Jahren war die Regierungszeit der S. im Wesentlichen durch Stabilität gekennzeichnet, doch nach dem Tod des Hzg. Filippo Maria Visconti und seines Lehensmannes Aloisio ( -> 1) 1447 und stärker noch nach dem Tod von Francesco Sforza 1466 war ihre Stellung erschüttert. In den erbitterten Kämpfen zwischen Welfen und Gibellinen schlossen sich die Nachkommen von Aloisio den ersteren an und lösten damit den Gegenschlag der letzteren aus, welche die S. zeitweise aus dem Sottoceneri vertrieben.


Literatur
– G. Chiesi, «Il Sottoceneri e la signoria dei S.», in BSSI, 1990, 119-172
LexMA 7, 1366-1368
– M. Della Misericordia, «La "coda" dei gentiluomini», in Guelfi e ghibellini nell'Italia del Rinascimento, hg. von M. Gentile, 2005, v.a. 326-358
– A. Moretti, Da feudo a baliaggio: la comunità delle pievi della Val Lugano nel XV e XVI secolo, 2006

Autorin/Autor: Giuseppe Chiesi / PTO