Schauenstein [von]

Ritteradliges Geschlecht des Hochstifts Chur und Aristokratenfamilie mit der Burg S. (Gem. Masein) als Stammsitz und bedeutendem Besitz am Heinzenberg sowie im Domleschg. Erstmals erwähnt werden 1258 die Brüder Burkhard und Gottfried. Die S. waren Ministerialen der Bf. von Chur und sassen im dortigen Domkapitel, wo die Fam. in der Kathedrale eine eigene Grablege besass. Im 14. Jh. waren sie zeitweise als Viztume im Domleschg und Vögte des Klosters Cazis das führende Dienstadelsgeschlecht des Hochstifts Chur im Domleschg. Ihren Heiratskreis fanden sie im churbischöfl. Niederadel. Ab 1320 benannte sich ein Zweig nach der Burg Ehrenfels, 1350 waren die S. Inhaber der Burg Unter-Tagstein (Gem. Masein), 1418 erhielten sie die Feste Campell als bischöfl. Lehen. An der Rhäzünser Fehde, einem territorialpolit. Konflikt im Domleschg zwischen den Frh. von Rhäzüns, den Gf. von Werdenberg und dem Hochstift Chur, waren die S. beteiligt. Bis Mitte des 17. Jh. gehörten sie zum inneren Kreis der führenden Fam. Graubündens. Mehrere ihrer Mitglieder waren Landvögte in Maienfeld oder hatten die höchsten Veltliner Ämter inne. 1583 erwarben sie die Herrschaft Trins mit Tamins, Reichenau und Trin, die 1616 in Herrschaft Reichenau umbenannt wurde, nachdem Trin sich losgekauft und die Fam. ihren Sitz dorthin verlegt hatte. 1608-1701 waren die S. zudem Inhaber der Herrschaft Haldenstein. 1612 erhielt Thomas von Ks. Matthias den Titel eines Freiherrn. Die S. leisteten mehrheitlich Kriegsdienst für Frankreich, dessen polit. Anhänger sie waren. Ab Mitte des 17. Jh. folgte ein gewisser wirtschaftl. und polit. Abstieg, nach 1650 bekleidete die Fam. kaum noch Veltliner Ämter. 1742 starben die S. mit Gf. Thomas Franz aus, das Erbe ging an seinen Neffen Johann Anton Buol.


Archive
– BiA Chur
– StAGR
Literatur
– P.E. Grimm, Die Anfänge der Bündner Aristokratie im 15. und 16. Jh., 1981
– S. Färber, Der bündner. Herrenstand im 17. Jh., 1983
– O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984
HbGR 1-2

Autorin/Autor: Peter Conradin von Planta