• <b>Capol</b><br>Das von Raget Capol 1577 errichtete Gebäude wurde in ein Hotel umgebaut. Holzschnitt aus dem "Bündner Kalender", 1893 (Foto Rätisches Museum, Chur).

Capol [Capaul] [von]

Fam. aus Flims, die im 15. Jh. aus dem freien Bauernstand zu einem führenden Aristokratengeschlecht des Landes aufstieg. Die Fam. steht wohl im Zentrum der uralten Flimser Sage "Gion Paul da Flem stai si". 1410 wird ein bäuerl. Eigengut de Capaul in Flims erwähnt. Der Flimser Ammann Paul der junger ist 1427 als erster C. urkundlich belegt. 1454 war Ott Paul der ältter Landrichter des Grauen Bunds. Die vermutlich durch Viehhandel reich gewordene Fam. besetzte bischöfl. Ministerial- und Vogteiämter in der Surselva, lokale und Landesämter (Daniel -> 2, Johann Gaudenz -> 7) im Grauen Bund und führte ab 1483 den Junkertitel. Zweige der Fam. hatten schon 1458 in Ilanz und 1460 in Trun Wohnsitz und Güter. Hertli ( -> 6) gelangte zu Grundbesitz und Amt im Lugnez, 1489 zu einem kaiserl. Adelsbrief und führte Bündner Truppen in der Calvenschlacht (1499). Bündner Truppen kommandierten auch Hertli (II.) bei der Eroberung des Veltlins (1512) und Hans ( -> 3) im 2. Müsserkrieg (1531). Eine Quelle des Wohlstands der C. bildeten die fremden Kriegsdienste, zunächst im Solde Mailands und Österreichs, dann Frankreichs, Venedigs und Hollands (Hercules -> 5); eine andere bestand in einer Heiratspolitik, die Einkünfte aus Erbschaften einbrachte, sowie in einem klugen Kauf- und Tauschhandel. In Chur erwarb z.B. 1529 Hans vom Abt von Disentis die Hälfte des Antistitiums, Luzi 1533 das Haus Planaterra. In Rothenbrunnen im Domleschg besass um 1546 Martin (gestorben 1554), einer der Hauptanführer des Feldzugs nach Siena und Gatte der Sophya Salganser, vermutlich einer unehelichen Tochter des Gf. Jörg von Werdenberg-Sargans, ansehnl. Besitzungen. Mehrere Vertreter der Fam. traten als Gesandte des Dreibündestaats und als Schiedsrichter auf, so Hercules ( -> 4) und Johann Gaudenz. Im Dienste ihrer Heimatgem. Flims zeichneten sich Ott (Urheber des Erbgesetzes von 1457), Wolf ( -> 8, Begründer der ref. Kirchgem. 1528) und Raget (Ablösung aller Zehnten und Zinsen vom Kloster Pfäfers 1574) aus. Mehrere Mitglieder, wie z.B. Caspar ( -> 1), holten sich ihre Bildung an europ. Universitäten. Die C. gehörten zu den Beschützern der ref. Minderheit in der Surselva. In Flims zeugen noch vier C.-Häuser von ihrem Wirken, darunter das heutige Hotel Bellevue (1577 von Raget erbaut) und das Schlössli (1682 durch Johann Gaudenz errichtet). Vom 15. bis zum 18. Jh. prägte die Fam. C. das öffentl. Geschehen in Graubünden entscheidend mit.

<b>Capol</b><br>Das von Raget Capol 1577 errichtete Gebäude wurde in ein Hotel umgebaut. Holzschnitt aus dem "Bündner Kalender", 1893 (Foto Rätisches Museum, Chur).<BR/>
Das von Raget Capol 1577 errichtete Gebäude wurde in ein Hotel umgebaut. Holzschnitt aus dem "Bündner Kalender", 1893 (Foto Rätisches Museum, Chur).
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Archive
– StAGR, Privaths. "Capoliana"
Literatur
– P.E. Grimm, Die Anfänge der Bündner Aristokratie im 15. und 16. Jh., 1981, 22-29, 106, 131-133

Autorin/Autor: Martin Bundi