Schönau, von [Hürus von Schönau]

Seit 1214 bezeugtes Adelsgeschlecht mit Stammsitz in S. im Elsass. Jakob Rudolf (erw. 1347-60), der wie viele seiner Nachkommen den Beinamen Hürus führte, heiratete um 1330 eine Erbtochter aus dem Geschlecht vom Stein, die der Fam. das Meieramt des Stifts Säckingen sowie umfangreiche Besitzungen am Hochrhein zuführte. Er und sein Sohn Rudolf (erw. ab 1352) erwarben später wieder eingebüsste Besitztümer im Sisgau und im Aargau. Rudolf war Gefolgsmann des Hauses Habsburg und fiel 1386 im Sempacherkrieg. Seine Nachkommen dienten häufig in der Verwaltung Vorderösterreichs, z.B. als Vögte der vier Waldstädte ( -> 3, -> 4, -> 5, -> 7, -> 9). 1475 erwarben die S. die Herrschaft Oeschgen. Ende des 16. Jh. kam die Fam. vorübergehend in den Besitz des Schlosses Neu-Altstätten. Bevorzugter Heiratskreis waren Adelsfamilien aus Süddeutschland, dem Elsass und der Nordwestschweiz. Frauen verheirateten sich vereinzelt mit bürgerl. Männern. Die S. stellten zahlreiche Domherren in versch. Bistümern, namentlich im Bistum Basel, wo Heinrich ( -> 6) Generalvikar und Anton Ignaz Johann Nepomuk ( -> 1) Hofrat war. Johann Franz ( -> 8) wurde 1651 zum Fürstbf. von Basel gewählt. Vom Ende des 15. Jh. an waren einige S. Träger des Erbtruchsessenamts des Basler Hochstifts. Zahlreiche weibl. Angehörige der Fam. traten in adelige Damenstifte ein, so in die Klöster Olsberg und Schänis. 1668 erhob Ks. Leopold I. die gesamte Fam. in den Reichsfreiherrenstand. Zu Beginn des 21. Jh. bestanden noch die beiden Familienlinien S.-Wehr und S.-Schwörstadt.


Literatur
– F.M. Huggenberg, «Die Herren von S. und die Hürus», in SVGB 75, 1957, 81-116
– W.H. Frese, Die Herren von S., 1975
– C. Bosshart-Pfluger, Das Basler Domkapitel von seiner Übersiedlung nach Arlesheim bis zur Säkularisation (1678-1803), 1983, 305 f.
Adel an Ober- und Hochrhein, hg. von W. von Schönau-Wehr et al., 2001
– P. Bircher, «Zwischen Landesfürst und Untertanen», in Argovia 114, 2002, 7-80

Autorin/Autor: Stefan Hess