23/11/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Rohrbach

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Aarwangen, Verwaltungskreis Oberaargau, die aus dem Dorf R. sowie versch. Weilern (u.a. Boden, Brand, Kasern, Sossau) und Einzelhöfen besteht. 795 Roorbah. 1764 714 Einw.; 1850 1'704; 1900 1'507; 1950 1'630; 2000 1'364. Ma. Burgstelle Altburg an der Grenze zu Madiswil. 795 schenkte Heribold der Kirche R. seine Güter in Madiswil. Im 9. Jh. erhielt das Kloster St. Gallen Güterschenkungen im Raum R. Von seinem Kelnhof R. aus liess es durch den Kelner seinen Oberaargauer Besitz verwalten. Ein Meier stand dem Niedergericht vor. Durch königl. Immunitätsverleihung waren die Gotteshausleute der Grafengewalt weitgehend entzogen und unterstanden dem hohen Gericht des Klostervogts. Anfang des 14. Jh. waren Vogtei und Niedergericht zusammen in der Hand der einheim. Freiherren von Rüti, 1314-70 der von Signau und ab 1371 der von Grünenberg, die R. in ihre eigene Herrschaft integrierten. Durch Heirat kam R. an Hermann von Eptingen. Als österr. Parteigänger verlor er die Herrschaft im Zürichkrieg an Bern, das seiner Frau den Besitz 1449 restituierte. 1504 kaufte Bern Vogtei und Meieramt mit hohen und niedern Gerichten von den Erben, den von Luternau. 1505 am Landtag zu R. der bern. Landvogtei Wangen unterstellt, bewahrte der Ort seine Sonderrechte; u.a. war das Dorf von obrigkeitl. Fuhrdiensten befreit (um 1540 bezeugt), und im Kriegsfall marschierte seine Mannschaft unter dem bern. Stadtbanner. 1798 kam R. zum helvet. Distrikt Langenthal, 1803 zum Oberamt bzw. Amtsbez. Aarwangen. Die 795 erw. Martinskirche (heutiger Bau von 1738) gehörte dem Kloster St. Gallen. 1345 verkaufte dieses den Kirchensatz den Johannitern in Thunstetten, von denen er 1528 an Bern überging. Die Kirchgem. R., die auf eine Urpfarrrei unbekannter Ausdehnung zurückgeht, umfasst ferner Auswil, Kleindietwil, Leimiswil und Rohrbachgraben; zu ihr zählte bis 1885 auch Oeschenbach. Der traditionelle Ackerbau wurde im 18. Jh. durch Heimweberei ergänzt. Die 1889 eröffnete Langenthal-Huttwil-Wolhusen-Bahn förderte die Ansiedlung industrieller Betriebe: 1877 Furnierwerk (heute Holzhandel), Kunststoffverarbeitung, Fahrzeugbau, Textilunternehmen. Sie erleicherte auch die Arbeitssuche auswärts, v.a. in Langenthal. Um 1980 entstand das Neuquartier Riedmatt. R. gehört zum Sekundarschulverband Kleindietwil. 2005 stellte der 2. Sektor gut 56% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– K. Geiser, R., 1925
– H. Würgler, «R. und das Kloster St. Gallen», in Jb. des Oberaargaus 5, 1962, 80-97
– K.H. Flatt, Die Errichtung der bern. Landeshoheit über den Oberaargau, 1969
– A.-M. Dubler, «Die Region Oberaargau», in Jb. des Oberaargaus 44, 2001, 74-139
– H. Schneeberger, Bauinventar der Gem. R., 2003

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler