• <b>Von Hallwyl</b><br>Illustration zur Ringsage mit Ansicht vom Schloss Hallwil im Zürcher Exemplar des Hausbuchs der Herren von Hallwyl, 1581 (Schweizerisches Nationalmuseum, SH-228.7-8). Der Herr von Hallwyl überreicht seinem nach Frankreich ziehenden Sohn die Hälfte eines entzweigebrochenen goldenen Rings, damit er sich für alle Zeiten als rechtmässiger Erbe ausweisen könne. Im Hintergrund ist die auf zwei Inseln in der Aa gebaute Stammburg und der zugehörige Gewerbekomplex mit Getreidemühle zu sehen. Die hier erstmals niedergeschriebene und illustrierte Familiensage entstand möglicherweise wie das Hausbuch selbst im Auftrag von Burkhard III. von Hallwyl.

Hallwyl [Hallwil], von

Ursprünglich freie, ab dem 13. Jh. dann ministerialische Fam., die den Namen ihrer Stammburg H. führte und ab dem 15. Jh. grossteils im Elsass, in Süddeutschland sowie in Österreich ansässig war. Ausgehend vom Besitz im See- und Bünztal, samt der hohen Gerichtsbarkeit über den Hallwilersee, konnte Johann I. ( -> 14) einen starken wirtschaftl. Aufschwung bewerkstelligen und erwarb weitere Besitzrechte wie die Twingherrschaften Boswil, Wildegg und Egliswil. Seine vier Söhne begründeten zum Teil eigene Linien, von denen aber um 1480 nur noch eine einzige bestand. 1369 hatten sie einen Stammgutsvertrag abgeschlossen, wonach die Burg H. beim Mannesstamm verbleiben musste.

<b>Von Hallwyl</b><br>Illustration zur Ringsage mit Ansicht vom Schloss Hallwil im Zürcher Exemplar des Hausbuchs der Herren von Hallwyl, 1581 (Schweizerisches Nationalmuseum, SH-228.7-8).<BR/>Der Herr von Hallwyl überreicht seinem nach Frankreich ziehenden Sohn die Hälfte eines entzweigebrochenen goldenen Rings, damit er sich für alle Zeiten als rechtmässiger Erbe ausweisen könne. Im Hintergrund ist die auf zwei Inseln in der Aa gebaute Stammburg und der zugehörige Gewerbekomplex mit Getreidemühle zu sehen. Die hier erstmals niedergeschriebene und illustrierte Familiensage entstand möglicherweise wie das Hausbuch selbst im Auftrag von Burkhard III. von Hallwyl.<BR/>
Illustration zur Ringsage mit Ansicht vom Schloss Hallwil im Zürcher Exemplar des Hausbuchs der Herren von Hallwyl, 1581 (Schweizerisches Nationalmuseum, SH-228.7-8).
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Nach dem Aussterben der Kyburger wurden die H. Ministerialen der Habsburger: Mehrere Familienmitglieder hatten Ämter von diesen inne, so Johann I., Türing II. ( -> 16) sowie Türing III., der 1464-68 die Landvogtei im Elsass besass. Diese Beziehung brachte den H. aber auch Verluste: In der Schlacht von Sempach fielen drei Vertreter und bei der Eroberung des Aargaus 1415 leisteten sie fast als Einzige Widerstand, weshalb die beiden Wartburgen und die Burg H. niedergebrannt wurden. In der Folge mussten sie mit Bern und Solothurn ein Burgrecht abschliessen. Der im Elsass begüterte Türing'sche Familienzweig vermied eine Bindung an Bern, stand weiterhin im Dienst der Habsburger (Türing II.) und zog auch Nachkommen des Rudolf'schen Zweigs auf diese Seite. Zu einer Annäherung an die Eidgenossenschaft kam es erst mit der Verpfändung der habsburg. Vorlande an Burgund.

Nach 1415 hatten die H. Mühe, ihren Besitz ausserhalb des bern. Aargaus zu behaupten. Stück für Stück mussten sie ihre Güter und Rechte veräussern. Obwohl einige H. mehrere Söhne hatten, begründeten erst zwei Söhne von Dietrich II. (gestorben 1509) eigene Linien: diejenige Hartmanns III. ( -> 9) starb 1671 im Aargau und 1710 in Württemberg im Mannesstamm aus. Von den Söhnen Kaspars I., dem Begründer der zweiten Linie, lebten die wieder kath. Nachkommen Dietrichs III. im Thurgau (Herrschaft Blidegg) und in Schwaben (ausgestorben 1743), die ebenfalls kath. Nachfahren Hugos II. in Österreich und Böhmen (ausgestorben 1779), jene Burkhards III. ( -> 1) im Elsass (ausgestorben 1793) und im Aargau (in einem dt. Zweig noch bestehend). Letztere Linie stammt von Karl Hans Franz Rudolf (1827-99), einem Enkel von Johann Abraham ( -> 10), ab.

Im Aargauer Zweig erfolgte ein rascher wirtschaftl. Niedergang - ausser bei Hans Rudolf ( -> 5) -, der soweit führte, dass einzelne H. bevormundet wurden und in Konkurs gerieten. Manche von ihnen heirateten sich auch in bäuerl. Kreise ein. Johann Anton (1683-1736, in holländ. Diensten) und Johannes ( -> 11) gelang hingegen wieder der soziale Aufstieg (bern. Bürgerrecht, vornehme Heiratskreise, Vermögen). Im 19. Jh. gehörte Karl Franz Rudolf 1808-13 und 1815-31 dem Aargauer Gr. Rat an, sein Neffe Hans ( -> 8) auch dem aarg. Regierungsrat.

Bis etwa 1450 hatten die H. ihre Grablege im Kloster Kappel (Gem. Kappel am Albis), nachher in der Kirche Seengen. Das Stammgut und Erbmarschallamt bzw. -lehen, das jeweils dem Stammältesten zufiel, trugen zum Zusammenhalt der Fam. bei. Diesen beschwört das wohl um 1560 entstandene Hausbuch mit der Ringsage. Die Familienbande waren häufig eng, infolge der Verarmung kam es aber auch zu bitteren Zwisten. Die Verbindungen zu Österreich, die Konflikte mit Bern um Gerichtsrechte und im 17. Jh. der wirtschaftl. Niedergang trugen dazu bei, dass den H. der Eintritt in den bernischen Gr. Rat nicht gelang.


Archive
– StABE, FamA
Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 1, 188-195; 5, 293-296
– A. Bickel, Die Herren von Hallwil im MA, 1978 (Teildr. eines vierbändigen Ms. in ZBZ und KBAG)
– H. Jacob-Friesen, «Das Hausbuch der Herren von Hallwil», in BZGA 94, 1994, 29-74
– C. Brun, Gesch. der Herren von H., hg. von I. Keller-Frick, 2006

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)