07/04/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken

Erlach, von

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Burger- und ehemalige Patrizierfamilie der Stadt Bern mit Wurzeln im Ministerialadel. Die E. sind erstmals als Kastlane von E. am Bielersee im Dienst der Gf. von Nidau bezeugt. Um 1300 wurden sie Burger von Bern. Als Stubengenossen zum Distelzwang und später auch zu Schmieden stiegen sie zu einem der führenden Geschlechter Berns auf und zählten im 17. und 18. Jh. zu den sechs der "wohledelfesten" Geschlechter, welche die höchste Klasse der Berner Burgerfamilien bildeten. Ursprünglich besassen sie Güter und Herrschaftsrechte in Jegenstorf und Reichenbach (bei Zollikofen). Um 1400 kamen Hindelbank, Wyl (heute Gem. Schlosswil), Riggisberg und Bümpliz hinzu. 1516 erwarb Ludwig (1470-1522) Schloss und Herrschaft Spiez sowie die Bubenberghäuser an der Junkerngasse in Bern. Als sich die Fam. mit den Söhnen Rudolfs ( -> 23) in zwei Hauptlinien teilte, erbte Diebold (1485-1561), der Erste der jüngeren, zu Beginn des 18. Jh. ausgestorbenen Linie, Bümpliz. Seine Nachkommen erweiterten den Besitz um 1600 um die Herrschaften Oberhofen am Thunersee, Kiesen und Kasteln. Die übrigen Herrschaften gingen an den älteren Sohn Johann ( -> 16), dessen Nachkommen zwei Äste bildeten. Spiez und die ehemaligen Bubenberghäuser in Bern wurden vorerst unter den Nachkommen Hans Rudolfs (1504-53), des älteren Sohnes von Johann, weiter vererbt. Zu Beginn des 18. Jh. gelangten sie an den jüngeren Ast. Albrecht (1713-84) liess neben dem bestehenden Schloss in Spiez das neue Schloss bauen. Sein Vetter Hieronymus ( -> 10) errichtete prächtige Landsitze in Thunstetten und Hindelbank. Ausserdem entstand um 1750 in Bern an der Stelle der einstigen Bubenberghäuser der heutige Erlacherhof. Hieronymus' Sohn Albrecht Friedrich ( -> 2) baute einen neuen Landsitz in Jegenstorf.

Im 14. Jh. verschwägerten sich die E. mit Ministerialen- und Freiherrengeschlechtern aus dem bern. Mittelland. Sie waren ab dem 15. Jh. zunehmend an der bern. Regierung beteiligt und gingen gleichzeitig Heiratsverbindungen mit anderen Berner Burgerfamilien sowohl adliger (v.a. von Mülinen) wie nicht adliger Herkunft (v.a. von Diesbach und von Wattenwyl) ein. Bis 1798 stellten sie insgesamt sieben Schultheissen: Nach Ulrich (gestorben 1465) folgten - teilweise über das Venneramt zu Schmieden - der obgenannte Rudolf, dessen Sohn Johann, Franz Ludwig ( -> 5), Sigmund ( -> 25), die obgenannten Hieronymus und Albrecht Friedrich, die alle aus der älteren Linie stammten. Versch. Familienmitglieder wirkten als Gross- und Kleinräte und versahen Landvogteistellen.

Die E. taten sich ausserdem als Heer- und Söldnerführer in fremden Diensten hervor. Johann Jakob ( -> 11) wurde erster Kommandant des 1671 gegründeten Berner Regiments in franz. Diensten (oft als Regiment E. bezeichnet). Seine Nachkommen - sie waren nach der Konversion Johann Jakobs katholisch und Bürger Freiburgs - dienten in der franz. Schweizergarde und verschwägerten sich entweder mit Angehörigen von Offiziersfamilien der Schweizergarde oder mit franz. Adelsfamilien. Die Nachfahren Burkhards ( -> 4) hingegen etablierten sich zunächst im Dienste Sachsen-Anhalts, dann in jenem Preussens, und heirateten in dortige Adelsfamilien hinein. Die beiden Zweige erloschen Ende des 18. bzw. nach der Mitte des 19. Jh. Auch im 19. und 20. Jh. schlugen mehrere Mitglieder der Fam. eine militär. Karriere ein, die im Fall Rudolfs ( -> 24) bis zum Divisionär führte. Ausserdem stellten die E. mit Franz Rudolf ( -> 6) einen Berner Regierungsrat. Seit der 2. Hälfte des 20. Jh. sind die Mitglieder der Fam. u.a. im Banken- und Versicherungswesen sowie in der Industrie tätig.


Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 1, 102-112; 5, 176-182
– H.U. von Erlach, 800 Jahre Berner von E., 1989

Autorin/Autor: Hans Braun