02/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Birwinken

Polit. Gem. TG, Bez. Weinfelden. Die seit 1995 bestehende Gemeinde umfasst die ehemalige Munizipalgem. B. mit deren ehemaligen Ortsgem. Andwil (TG), B., Happerswil-Buch, Klarsreuti und Mattwil, während die ehemalige Ortsgem. Guntershausen bei B. (heute Guntershausen bei Berg) seit 1995 zu Berg (TG) gehört. Die Haufensiedlung B. liegt am Südhang des Bodenseerückens 2 km östl. der Station Berg auf einer Geländeterrasse. 822 (?) Wirinchova, 1275 Birbichon. Ehem. Munizipalgem. B.: 1850 1'333 Einw.; 1888 1'604; 1900 1'407; 1941 1'202; 1950 1'261; 1990 1'213. Ehem. Ortsgem. B.: 1722 ca. 210 Einw.; 1850 203; 1888 294; 1900 246; 1950 206; 1990 162. Polit. Gem. B.: 2000 1'216 Einw.

B. gehörte im 14. Jh. mit Dotnacht zur entfernt gelegenen Herrschaft Spiegelberg (bei Weingarten) und gelangte nach verschiedenen Besitzerwechseln um 1640 von den Muntprat aus Konstanz an die Stadt Zürich. Diese unterstellte das niedere Gericht B., zu dem auch Dotnacht und Teile von Oberriedt (Gem. Erlen) zählten, 1649 der Verwaltung des Obervogts zu Weinfelden, so dass B. bis 1798 das polit. Schicksal der Herrschaft Weinfelden teilte. Spätestens im 12. Jh. entstand eine Kirche. Um 1400 wurde die ab 1275 belegte Pfarrei dem Augustinerkloster Konstanz inkorporiert und bis zur Reformation 1529 von einem Mönch versehen. Nachdem vorübergehend für B. und dessen Filiale Andwil ein Prädikant angestellt worden war, verlor die Pfarrei 1578 ihre Selbstständigkeit und ist seither Filiale von Langrickenbach. Die zugezogenen Katholiken gehören seit 1869 zu Berg. 1803-16 war B. Kreishauptort. Im 19. Jh. erlangten neben dem Ackerbau auch Obstbau und Viehwirtschaft (1848 Käserei) Bedeutung. 1878 boten eine Weberei und drei Stickereien 165 Arbeitsplätze, doch führten der Niedergang der Textilindustrie und die verkehrstechn. Randlage im 20. Jh. zu starker Abwanderung, so dass B. seinen bäuerl. Charakter bewahrt hat (1990 63% in B. Erwerbstätige im 1. Sektor).


Literatur
– J.J. Wälli, Gesch. der Herrschaft und des Fleckens Weinfelden, 1910, 209-215
– H. Brugger, Gesch. der Evang. Kirchgem. Langrickenbach und B., 1931

Autorin/Autor: Gregor Spuhler