08/02/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Dorf

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen, am Eingang des Flaachertals gelegen. 1044 Dorf (Urkundenkopie 1347). 1467 50 Einw.; 1634 187; 1850 413; 1900 336; 1950 295; 1970 280; 2000 593. Bei der Kirche D. ist eine spätbronzezeitl. Siedlung belegt. Auf einer Anhöhe östl. des Dorfs liegt der spätma. Herrensitz Goldenberg. Frühe Grundbesitzer in D. waren die Klöster Allerheiligen und Töss sowie das Haus Kyburg. Die ma. Herrschaftsrechte waren aufgesplittert. Die niedere und hohe Gerichtsbarkeit über einen Teil von D. lag beim habsburg. Amt Andelfingen, dessen Pfandschaft 1434 die Stadt Zürich löste. Im 13. und 14. Jh. gelang es dem Kloster Töss, durch Schenkung und Tausch einen aus fünf Höfen bestehenden Verwaltungskomplex zu bilden (1538 belegt). Seine Rechte liess es durch die ortsansässigen Herren von Gachnang-Goldenberg wahrnehmen (1408 belegt). Ausserdem besass ab 1335 auch das Kloster Allerheiligen Vogteirechte in D. Bei Bodenforschungen in der Kirche 1966 wurde ein rom. Gotteshaus erfasst, das in den Quellen um 1360 als Filiale der Pfarrkirche Andelfingen erscheint. Die in der Reformationszeit profanierte Kirche wurde 1580 wieder in Stand gesetzt. Seit 1699 ist D. eine eigene Kirchgemeinde.

1247 wird D. als villa bezeichnet, 1453 tritt die Dorfgemeinschaft in einem Streit um Wasserrechte auf. Ihre Weiderechte werden 1527 genannt, die Zelgen 1538. Erst 1748 gelangte D. in den Besitz eines Einzugsbriefs. Wichtigster Erwerbszweig war stets die Landwirtschaft (1771 Ackerbau 52%, Wiesen und Weide 16%, Reben 7%, Wald 25%), das Handwerk war nur beschränkt vertreten (1771 je ein "Mühlenmacher", Schmied, Weber, Küfer, Bäcker und Schuster). 1867 kämpfte die Gem. für eine Strassenverbindung durchs Flaachertal, 1873 nahm die Reisepost Henggart-D.-Flaach ihren Betrieb auf (ab 1921 motorisiert). Die Güterzusammenlegung wurde 1939-47 vorgenommen. 2000 arbeiteten noch je ein Drittel der in D. Erwerbstätigen im 1. und 3. Sektor. Der Wegpendleranteil lag bei zwei Dritteln.


Literatur
– E. Stauber, Gesch. der Kirchgem. Andelfingen, 3 Bde., 1940-43

Autorin/Autor: Martin Illi