Andlau, von

Unterelsäss. Adelsgeschlecht, das sich verm. nach seinem erbl. Schultheissenamt der Abtei A. (F) nannte. 1144-50 ist als erster Namensträger der vicedominus Otto de Andelahe belegt. Neben ihrer Burg Hohandlau (1246 zerstört, 1344 wiederaufgebaut) südwestl. von Strassburg verfügten die A. v.a. über Besitz im Oberelsass, u.a. Homburg, Klein-Landau, Kingersheim und Wittenheim. Der Familienälteste führte ab 1356 den Titel "Erster der vier Erbritter des Hl. Röm. Reiches", den Ks. Karl V. 1550 bestätigte. Die A. waren Mitglieder der Vorderösterr. Ritterschaft (Immatrikulation 1458) und der Unterelsäss. Reichsritterschaft (Immatrikulation 1547). 1676 erhob Ks. Leopold I. das Geschlecht in den Reichsfreiherrenstand. 1773 anerkannte Ludwig XV. das franz. Baronat der Gesamtfam., und 1817 erhob Österreich die Linie zu Homburg in den im selben Jahr im Grossherzogtum Baden anerkannten Grafenstand.

Vier A. fielen 1386 in der Schlacht bei Sempach. Im MA hatten A. kirchl. oder städt. Ämter im Elsass, in Strassburg und Basel inne, so Bartholomäus ( -> 1), Georg ( -> 3), Hartmann ( -> 4) und Peter ( -> 7). Um 1678 liess sich eine Linie im Fürstbistum Basel nieder. Sie stellte u.a. Basler Domherren, Stiftsherren von Moutier-Grandval und nach 1714 vier fürstbischöfl. Landvögte zu Delsberg und Birseck (Franz Carl -> 2, Johann Baptist Georg -> 5). 1808 nahm sie mit dem Erwerb des Schlosses Birseck den Beinamen Birseck an (Konrad Karl Friedrich -> 6). 1762-1844 besass sie den sog. Andlauerhof in Arlesheim, wo sie 1785 den bekannten Engl. Garten (Eremitage) anlegte (1792 zerstört, 1808 rekonstruiert). Mit dem Verkauf ihres Besitzes 1844 endeten die Beziehungen zur Schweiz. Die Linie A.-Birseck ist 1917 in Baden ausgestorben. Die Linien A.-Homburg und A.-Klein-Landau bestehen heute noch in Frankreich.


Literatur
– H. d'Andlau-Hombourg, Le livre d'histoire d'une famille d'Alsace, 2 Bde., 1972-76
– C. Bosshart-Pfluger, Das Basler Domkapitel von seiner Übersiedlung nach Arlesheim bis zur Säkularisation (1678-1803), 1983, 171-180
Europ. Stammtafeln, NF 11, hg. von D. Schwennicke, 1986, Taf. 89-101

Autorin/Autor: Dorothea A. Christ