15/12/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Berg (TG)

Polit. Gem. TG, Bez. Weinfelden. Die seit 1995 bestehende Gem. umfasst die ehemalige Munizipalgem. B. mit deren ehemaligen Ortsgem. B., Andhausen, Graltshausen und Mauren sowie die zuvor zur ehemaligen Munizipalgem. Birwinken zählende Ortsgem. Guntershausen bei Birwinken (heute Guntershausen bei Berg), überdies den Weiler Beggelschwilen, während die früher ebenfalls zur ehemaligen Munizipalgem. B. zählende ehemalige Ortsgem. Weerswilen seit 1995 zu Weinfelden gehört. Die ehemalige Ortsgem. B., Streusiedlung am Ottenberg, liegt an der Strasse Kreuzlingen-Weinfelden und besteht aus B., Heimenlachen, Kehlhof sowie einigen Höfen. 796 Berga. Ehemalige Munizipalgem. B.: 1850 1'374 Einw.; 1910 1'767; 1950 1'690; 1980 1'953; 1990 2'517. Ehemalige Ortsgem. B.: 1850 440 Einw.; 1910 833; 1950 795; 1980 1'142; 1990 1'575. Polit. Gem. B.: 2000 2'876.

Aus der Steinzeit stammen Siedlungsspuren, aus der Bronzezeit Streufunde. Im FrühMA waren B. und Umgebung im Besitz des Bf. von Konstanz und lagen an der Südgrenze der Bischofshöri. Als Vorläufer des um 1600 erbauten Schlosses wird eine Befestigungsanlage aus dem 12./13. Jh. vermutet. Schloss und Gerichtsherrschaft mit den Dörfern B., Andhausen und Donzhausen sowie Teilen von Andwil (TG), Mauren und Mattwil wurden bis 1798 vom Domstift Konstanz als Lehen vergeben. Die Herauslösung aus der Bistumsverwaltung und die Entstehung der ab 1386 belegten Gerichtsherrschaft sind ungeklärt. Gerichtsherren waren u.a. die Egli von Zug (1518-67), die Brümsi von Herblingen (1586-1653/56) und die von Thurn-Valsassina (1676-1798). 1506 wurde eine Pfründe auf den Mauritiusaltar der vermutlich im 11. Jh. entstandenen Kapelle gestiftet, so dass in B., einer Filiale von Sulgen, ein Kaplan angestellt werden konnte. Nach der Reformation 1529, der die Einwohner anhingen, während die Gerichtsherrschaft in kath. Hand verblieb, fand bis 1575 kein regelmässiger Gottesdienst statt. Bis zur Gründung der ref. Kirchgemeinde 1851 (B., Andhausen, Mauren, Weerswilen) wurde B. von Sulgen aus versorgt. Die im 16./17. Jh. entstandene kath. Pfarrei umfasste darüber hinaus auch Altishausen, Birwinken, Dotnacht, Graltshausen, Guntershausen, Hugelshofen und Mattwil. 1935 wurde die Parität aufgehoben und eine kath. Kirche erbaut. Wichtigste Landwirtschaftzweige bildeten Obstbau (Brennerei), Viehwirtschaft (1899 Käserei) und bis 1900 Rebbau. Infolge der Industrialisierung entstanden in B. ca. 1865 die Ziegelei Brauchli, um 1900 mehrere Stickereibetriebe. 1911 erfolgte der Anschluss an die Mittel-Thurgau-Bahn mit den Stationen Kehlhof und B. In jüngster Zeit führten ein günstiger Steuerfuss und die attraktive Lage zu starkem Bevölkerungswachstum und zur Erschliessung neuer Wohnquartiere. 1990 arbeiteten je 45% der in B. Erwerbstätigen im 2. bzw. 3. Sektor.


Literatur
– J.G. Kreis, Gesch. der urspr. Kirchhöre Sulgen, 1896
– P. Braun, H. Widmer, 100 Jahre Wasserversorgung B., 1988
– B. Giger Gerichtsherren, Gerichtsherrschaften, Gerichtsherrenstand im Thurgau vom Ausgang des SpätMA bis in die frühe Neuzeit, 1993, v.a. 79-81

Autorin/Autor: Gregor Spuhler