Hohenems, von

Das welf.-stauf. Reichsministerialengeschlecht von Ems, ab dem 12. Jh. mit der Sicherung der Strasse durch das Rheintal betraut, baute sich um die Burg Hohenems (Vorarlberg) ein kleines Territorium auf. Ein Vertreter der Fam. war der ma. Epiker Rudolf von Ems. Als Söldnerführer und Beamte der Habsburger gelangten die Herren von Ems zu grossem Reichtum. 1560 wurden sie als Verwandte von Papst Pius IV. (Mark Sittich, -> 2) in den Grafenstand erhoben, förderten die Gegenreformation, erweiterten durch erfolgreiche kirchl. und span. Dienste ihren Besitzstand und bauten den Flecken Ems zu einem ansehnl. Residenzort aus (Renaissancepalast, Lateinschule, Buchdruckerei, Ansiedlung von Juden). Der Höhepunkt ihres Aufstiegs war erreicht, als Gf. Kaspar Vaduz und Schellenberg kaufte. Sein Plan, entlang des Alpenrheins zwischen Österreich und der Schweiz einen den grössten Teil des Rheintals umfassenden Grenzstaat als Reichsfürstentum einzurichten, scheiterte 1620. Seine Söhne teilten das väterl. Erbe: Gf. Jakob Hannibal ( -> 1) erhielt H., Gf. Franz Maria Vaduz-Schellenberg. Masslose Schuldenwirtschaft und willkürl. Unterdrückung der Untertanen - es kam zu mehreren Hexenprozessen - führten Ende des 17. Jh. zu langjährigen kaiserl. Zwangsverwaltungen in H. und Vaduz. 1699 wurde Schellenberg verkauft, 1712 Vaduz gegen die Herrschaft Bistrau in Böhmen eingetauscht. Im kaiserl. Kriegs- und Hofdienst starb das Geschlecht 1759 im Mannesstamm aus, worauf der Kaiser das Lehen einzog, um es Österreich zu verleihen. Die selbstbewusste Fam. hinterliess markante Spuren, was viele hist. Überreste und ein reichhaltiges Archiv beweisen.


Archive
– Vorarlberger Landesarchiv, Bregenz, FamA
Literatur
– L. Welti, Gesch. der Reichsgrafschaft H. und des Reichshofes Lustenau, 1930
NDB 9, 479-481
Hohenemser und Raitenauer im Bodenseeraum, 1987
– K. Křížová, D. Junek, Gemäldegalerie der Gf. von H., 1999

Autorin/Autor: Karl Heinz Burmeister