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Moser, Karl Coelestin

geboren 10.8.1860 Baden, gestorben 28.2.1936 Zürich, kath., von Baden. Sohn des Robert ( -> 35). ∞ Maria Josefa Oktavia Euphemie Lorenz. 1878-82 Architekturstud. am Polytechnikum Zürich, Diplom bei Alfred Friedrich Bluntschli. 1883-84 Ecole des Beaux-Arts in Paris. Dort Stud. im Atelier von Jean-Louis Pascal und gleichzeitig Praxis im Büro von Jules-Aubert-Clément Reboul. 1885-86 Praxis bei Friedrich Lang in Wiesbaden, dort Bekanntschaft mit seinem späteren Partner Robert Curjel. 1887 Italienreise. 1888-1915 Architektengemeinschaft Curjel & Moser in Karlsruhe. Zweigbüros in St. Gallen (1907) und später in Zürich. Curjel und M. planten und bauten vorab im Grossraum Karlsruhe und in der Deutschschweiz; ihre symbiot. Partnerschaft generierte Impulse für den Wohnungs-, Geschäftshaus- und Kirchenbau. Ihr sicheres Empfinden gegenüber den bestimmenden künstler. Fragen der Zeit und ihre Fähigkeit, talentierte Architekten und bildende Künstler zu erkennen und im Dienste der Architektur zu entwickeln, liessen viele hervorragende Bauten entstehen. Einflüsse auf die Architektur in der Deutschschweiz gingen z.B. von dem Bankhaus Homburger, dem Verwaltungsgebäude des evang. Oberkirchenrates, der Villa Höpfner, der Christus- und Lutherkirche (alle Karlsruhe), der Pauluskirche in Basel, der Michaelskirche in Zug, dem Kunsthaus Zürich, dem Bad. Bahnhof in Basel, dem Kollegiengebäude der Univ. Zürich und Geschäftshäusern in St. Gallen aus. 1915 löste M. die Bürogemeinschaft mit Curiel auf und folgte einem Ruf an die ETH Zürich, wo er bis 1928 als Professor Architektur unterrichtete. Er reorganisierte den Lehrplan, vermittelte vorerst die Theorien der Renaissance und des Klassizismus und gab der Konstruktionslehre eine neue Position. M. erkannte das künstler. Potenzial der Moderne und förderte sie in der Ausbildung und in Preisgerichten, u.a. 1927 mit der Verleihung eines 1. Preises an Le Corbusier bei dem Wettbewerb für das Völkerbundsgebäude in Genf. 1928-30 fungierte er als Präs. der Congrès internationaux d'architecture moderne. Daneben betrieb er 1915-36 ein Architekturbüro in Zürich, das Wohnquartiere mit Sozialeinrichtungen für Schweizer Industrieunternehmen (Schaffhausen, Schönenwerd, Gerlafingen und Kemptthal) und Geschäftshäuser (Post Baden, Georg Fischer in Schaffhausen) entwarf und ausführte. M. zeichnete auch für die erste Kirche der Schweiz mit Sichtbeton, St. Antonius in Basel, verantwortlich. 1914 Dr. h.c. der Univ. Zürich.


Archive
– ETH-GTA, Nachlass
– Generallandesarchiv, Karlsruhe
Literatur
– U. Jehle-Schulte Strathaus, Das Zürcher Kunsthaus, ein Museumsbau von Karl M., 1982
– S. von Moos, «Karl M. und die moderne Architektur», in Fünf Punkte in der Architekturgesch., hg. von K. Medici-Mall, 1985, 248-275
– E. Strebel, «Karl M.s neuklassizist. Architektur», in Fünf Punkte in der Architekturgesch., hg. von K. Medici-Mall, 1985, 230-247
– W. Rössling, Curjel & Moser, 1986
Architektenlex., 384-386
– E. Strebel, «Die Architekten Curiel & Moser und die offizielle Schweizer Architekturlehre», in Die Schweiz und der dt. Südwesten, hg. von U.R. Kaufmann, 2006, 123-139

Autorin/Autor: Ernst Strebel