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Pisoni, Gaetano Matteo

geboren 18.7.1713 Ascona, gestorben 4.3.1782 Locarno, begraben Chiesa Nuova, kath., von Ascona. Sohn des Giovanni Battista und der Anna Daria Vacchini, beide aus Künstlerfamilien. 1729-32 Maurerlehre in Breitenwang (Tirol), 1735-40 Ausbildung zum Architekten an der Academia di S. Luca in Rom. 1740-45 in Mailand. 1750 wurde P., vermittelt durch Antoniotto Marquis de Botta-Adorno, der P. dem Bf. von Namur für den 1751-67 realisierten Bau der dortigen Kathedrale empfahl, nach Brüssel berufen. Dort projektierte er den Palast der Herzöge von Brabant und 1751 in Lüttich die Kirche Saint-Jean-L'Evangéliste. Botta-Adorno verhalf P. noch in den österr. Niederlanden zu einer festen Anstellung als Architekt des Fürsten Wenzel von Liechtenstein in Wien. 1753-56 umfasste P.s Tätigkeit vorwiegend Neugestaltungen von Bauten in der Umgebung Wiens. Es folgten Reisen nach Mailand, Dresden und Rom, wo er 1760 von Papst Clemens XIII. den Titel eines Ritters vom Goldenen Sporn erhielt. Auf Vermittlung des Solothurner Landvogts in Locarno kam P. 1763 mit seinem Neffen Paolo nach Solothurn, um ein Gutachten über die nach Plänen von Erasmus Ritter unter der Leitung von Jakob Singer begonnene neue St. Ursenkirche abzugeben. Sein Urteil war dermassen vernichtend, dass die beiden Architekten Solothurn verliessen und P. mit seinem Neffen Projektierung und Bauführung übernahm. Von Solothurn aus wurde P. von der Stadt Delsberg für die Stadtkirche Saint-Marcel sowie von Zürich für die Turmhelme des Grossmünsters und den Bau des Waisenhauses berufen. Noch vor Vollendung der St. Ursenkirche wurden die beiden P. aus Spargründen entlassen und kehrten Ende 1770 nach Ascona zurück. Unter P.s Kirchenbauten ist zweifellos die St. Ursenkirche in Solothurn das Hauptwerk. P.s Werk gehört dem spätbarocken Klassizismus röm. Prägung an, der in der Schweiz ohne Nachhall oder Einfluss blieb.


Literatur
– H.-R. Heyer, Gaetano Matteo P., 1967
– G. Carlen, Kathedrale St. Ursen Solothurn, 31993

Autorin/Autor: Hans-Rudolf Heyer