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Keller, Wilhelm

geboren 28.5.1823 Rüdikon (Gem. Schongau), gestorben 24.11.1888 Luzern, kath., von Schongau und Luzern. Sohn des Johann, Maurermeisters. ∞ Anna Jenny, von Hitzkirch. Lehre bei seinem Vater, Zeichenunterricht bei Pater Leodegar Kretz in Muri (AG) und Placidus von Segesser in Luzern. 1846 übernahm K. als selbstständiger Baumeister die Ausführung der Pfarrkirche von Ballwil nach den Plänen von Johann Seidel aus Straubing (Bayern). 1854 liess er sich in Hitzkirch, 1865 in Luzern nieder, wo er als Bauunternehmer, Baumeister und Architekt nach fremden und eigenen Plänen eine Vielzahl von Bauten organisierte. Sein Werkverzeichnis umfasst nicht weniger als 40 Sakralbauten, 90 Kirchenvergrösserungen und -restaurierungen, 34 Schulhäuser, 27 industrielle Bauten, 19 Hotels und Gasthäuser, 174 Privatbauten auf dem Lande und 105 Neubauten in der Stadt Luzern sowie 6 Brückenbauten. Seine Kirchenbauten basieren auf dem barock-klassizist. Landkirchenschema der Baumeister Purtschert und Singer. Ihre architekton. Konzeption des kubisch kompakten Baukörpers setzte er fort und erweiterte sie durch Zitate der Neugotik und Neuromanik. Nur in wenigen Bauten gelangte er zu eigenen Lösungen im Sinne einer dogmat. Neugotik. Es sind dies v.a. die dreischiffigen neugot. Hallenkirchen von Grosswangen (1863-67), Villmergen (1863-66) und Uznach (1867-69; 1939-40 modern umgestaltet). Bauten in neurom. Stil errichtete er u.a. in Uffikon (1869) und Wolhusen (1879-81). Für die städtebauliche Entwicklung Luzerns im 19. Jh. waren K. und das von seinen Söhnen weitergeführte Baugeschäft von grosser Bedeutung (v.a. für das Gebiet der Hirschmatt). Unter seiner und ihrer Leitung entstand ein einheitlich geplantes und bebautes städt. Quartier in historisierendem Stil. Hier erstellte K. 1867 auch seinen Wohnsitz und sein Baugeschäft, den Kellerhof, einen grosszügig angelegten neugot. Gebäudekomplex (Ecke Pilatusstrasse/Hirschmattstrasse).


Literatur
Architektenlex., 309

Autorin/Autor: André Meyer