Gull, Gustav

geboren 7.12.1858 Altstetten (heute Gem. Zürich), gestorben 10.6.1942 Zürich, ref., von Zürich. Sohn des Rudolf Gottlieb, Baumeisters, und der Anna geb. Fügli. ∞ 1885 Lydia Anna Limbacher. 1876-79 Stud. am Eidg. Polytechnikum in Zürich und an der Ecole des Arts Décoratifs in Genf. 1895-1900 Stadtbaumeister in Zürich, 1900-29 Architekturprof. am Polytechnikum bzw. an der ETH Zürich. Waren seine ersten öffentl. Bauten wie das Eidg. Postgebäude in Luzern (1886-88) und das Lavaterschulhaus in Zürich (1896-97) noch der Neurenaissance verpflichtet, ist G.s Hauptwerk nach der Jahrhundertwende v.a. durch Heimatstil und Neubarock geprägt, wobei die Bauplastik und die Wandmalerei in G.s Schaffen einen wichtigen Platz einnehmen. Zu seinen wichtigsten Bauten, die sich alle in Zürich befinden, gehören das Schweiz. Landesmuseum (1892-98), eine programmat. Museumsburg mit atmosphär. Stilvielfalt und Zitaten "heimischer Bauweise", die städt. Amtshäuser mit der Sternwarte Urania (1903-19) auf dem alten Klosterareal Oetenbach zwischen der Bahnhofstrasse und dem Limmatquai sowie der Uraniabrücke (heute Rudolf-Brun-Brücke), ausserdem die schlossartigen Erweiterungsbauten der Semper'schen ETH (1914-25) auf Seiten der Rämistrasse. G.s Vorliebe für maler. Silhouetten zeigte sich in seinen frühen Privathäusern (Eigenheim Doppelvilla Rosenegg, Moussonstr. 15/17, 1901) und in Sakralbauten aus den Jahren 1900-05, z.B. den Türmen der Predigerkirche und der Theodosianumkapelle in Zürich oder der Kirche Turbenthal. G. gehörte mit seinen öffentl. Verwaltungs- und Hochschulbauten, die das Zürcher Stadtbild bis heute prägen, aber auch mit seinen denkmalpfleger. Bemühungen zu den bedeutendsten Architekten und Lehrern des auf heim. Bautradition beruhenden repräsentativen Späthistorismus und war einer der frühen Promotoren des Heimatstils in der Schweiz. Er war u.a. 1903-06 Mitglied der Eidg. Kunstkommission (1905-06 Präs.), der Zürcher Kunstgesellschaft, des Schweizer Heimatschutzes und von Jurys bei Architekturwettbewerben.


Archive
– ETH-GTA, Nachlass
Literatur
Gustav G.: Bauten und Projekte in Zürich, Ausstellungskat. Zürich, 1991
Architektenlex., 237-239

Autorin/Autor: Elisabeth Crettaz-Stürzel