• <b>Hans Ulrich Grubenmann</b><br>"Plan, Durchschnitt und Aufriss der berühmten Schaffhauser Brücke über den Rhein". Kupferstich nach den Originalplänen Grubenmanns von  Christian von Mechel,  veröffentlicht in Basel 1803 (Schweizerische Nationalbibliothek). Die 1756–1758 errichtete Schaffhauser Brücke zählte bald zum Pflichtprogramm der europäischen Architekten und Ingenieure, die auf ihrer Grand Tour die Schweiz besuchten. Das Interesse an der Brücke überdauerte deren Zerstörung im Jahr 1799. Um die Neugier der Reisenden zu befriedigen, veröffentlichte Christian von Mechel diese Tafel zusammen mit zwei weiteren, welche die Limmatbrücke in Wettingen und die von Joseph Ritter erbaute Reussbrücke in Mellingen zeigen.

No 3

Grubenmann, Hans Ulrich

geboren 23.6.1709 Teufen (AR), begraben 24.1.1783 Teufen, ref., von Teufen. Sohn des Ulrich und der Barbara Zürcher. Bruder von Jakob ( -> 4) und Johannes ( -> 5). ∞ 1) 1732 Anna Walser, 2) 1769 Magdalena Fässler, 3) 1779 Anna Müller. G. scheint sich innerhalb des Familienbetriebs - die G. waren ein altes Baumeistergeschlecht - und autodidaktisch zum Zimmermann und Brückenbauer ausgebildet zu haben; zumindest liegen über eine Schulung ausserhalb dieses Kreises keine Zeugnisse vor. Er war allein oder mit Familienangehörigen im Brücken-, Kirchen- und Wohnbau tätig und wurde durch zwei in ihrer techn. und ästhet. Konzeption herausragende Holzbrücken berühmt. Die Rheinbrücke in Schaffhausen wurde 1756-58, die Limmatbrücke in Wettingen 1765-67 errichtet. Von beiden gedeckten Brücken, welche die franz. Armee 1799 niederbrannte, sind nebst Plänen, Ansichten und schriftl. Dokumenten auch die Originalmodelle erhalten. G. vertraute in Schaffhausen der herkömml. Sprengtechnik, während er in Wettingen ein Tragsystem aus zwei Flachbogen verwendete. An diesen waren Holzträger befestigt, die in der Mitte als Hängepfosten, gegen die Seiten als Stützen fungierten und das Dach bzw. die Fahrbahn trugen. Diese Konstruktionsidee wurde über die Landesgrenzen hinaus rezipiert und sowohl in den Schriften der Brückenbautheoretiker wie auch in der Reiseliteratur als Meisterwerk gefeiert. William Coxe pries G. gar als "Naturgenie".

G. wirkte am Wiederaufbau des 1743 zerstörten Städtchens Bischofszell mit. Als 1763 ein Blitz den Glockenturm des Zürcher Grossmünsters in Brand setzte, verhinderte er als Gutachter zusammen mit dem Chorherrn Johann Jakob Breitinger den Abbruch der rom. Kirche. G.s eigenes Œuvre zeichnet sich durch den geschickten Umgang mit versch. Raumkonzepten aus. Die 1764-67 errichtete, breit angelegte Kirche in Wädenswil - den Grundplan verdankt G. wohl Johann Jakob Haltiner - ist ein moderner Predigtraum, kubisch streng gehalten und an einen Profanbau erinnernd, hell, mit schwebender Emporenkonstruktion, von einer Rokokostuckdecke überspielt. Die 1779-82 erstellte Kirche von Trogen weist dagegen eine säulenreiche Schaufassade auf, die leicht an ein Täferwerk gemahnt. Der barocke Glockenturm orientiert sich, wie G.s Aufriss verrät, am Vorbild der St. Galler Stiftstürme. Der Innenraum wird beherrscht von Rokokostuckaturen und einem Freskenzyklus.

<b>Hans Ulrich Grubenmann</b><br>"Plan, Durchschnitt und Aufriss der berühmten Schaffhauser Brücke über den Rhein". Kupferstich nach den Originalplänen Grubenmanns von  Christian von Mechel,  veröffentlicht in Basel 1803 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Die 1756–1758 errichtete Schaffhauser Brücke zählte bald zum Pflichtprogramm der europäischen Architekten und Ingenieure, die auf ihrer Grand Tour die Schweiz besuchten. Das Interesse an der Brücke überdauerte deren Zerstörung im Jahr 1799. Um die Neugier der Reisenden zu befriedigen, veröffentlichte Christian von Mechel diese Tafel zusammen mit zwei weiteren, welche die Limmatbrücke in Wettingen und die von Joseph Ritter erbaute Reussbrücke in Mellingen zeigen.<BR/>
"Plan, Durchschnitt und Aufriss der berühmten Schaffhauser Brücke über den Rhein". Kupferstich nach den Originalplänen Grubenmanns von Christian von Mechel, veröffentlicht in Basel 1803 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Literatur
– E. Steinmann, Hans Ulrich G., [1984]
– J. Killer, Die Werke der Baumeister G., 41998
John Soane e i ponti in legno svizzeri. Architettura e cultura tecnica da Palladio ai G. hg. von A. Maggi, N. Navone, 2002

Autorin/Autor: Adolf Reinle