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Mammern

Polit. Gem. TG, Bez. Steckborn. M. liegt am Untersee 4 km östlich von Stein am Rhein. 1803-1992 war die Ortsgem. M. (ab 1812 mit Klingenzell und Neuburg) Teil der Munizipalgem. Steckborn. 909 Manburron. Polit. Gem.: 2000 533 Einw. Ehem. Ortsgem.: 1850 322 Einw.; 1900 398; 1950 401; 1980 392. Funde aus dem Neolithikum, der Bronzezeit (Pfahlbauten, Stein- und Randleistenbeile) und des FrühMA belegen eine durchgehende Besiedlung. 909 erwarb das Stift St. Gallen Güter und beherrschte ab dem 12. Jh. M. und Neuburg. 1319 belehnte St. Gallen die Fam. von Kastell mit den beiden Gerichtsherrschaften (1389 Johann von Ebratsweiler, 1405 Konrad von Bonstetten, 1411 Heinrich von Ulm und 1451 von Hohenlandenberg). 1522 kaufte Hans Leonhard von Reischach die Gerichtsherrschaften, die danach mehrfach den Besitzer wechselten. Johann Friedrich Thumb übergab die Herrschaften 1621 an die Brüder von Roll, die das Schloss erneuerten. 1667 erwarb der thurg. Landschreiber Wolf Rudolf Reding M. und verkaufte es 1687 an das Stift Rheinau (bis 1798). Vor 1275 stiftete die Abtei St. Gallen die Kirche und übertrug deren Kollatur dem Gerichtsherrn; 1838 ging sie an den Kt. Thurgau, 1843 an die Kirchgemeinde. Die Reformation wurde 1529 eingeführt. St. Gallen förderte die Gegenreformation durch Belehnung an kath. Gerichtsherren. 1749 liess der Abt des Klosters Rheinau Bernhard Rusconi eine barocke Schlosskapelle errichten. Nach dem Brand der Simultankirche 1909 wurde 1911 die ref. und 1913 die kath. Kirche eingeweiht. Der Vogt oder der Gerichtsherr leitete die Dorfversammlungen (Offnung 1574). M. war von Forst-, Acker- und Rebbau sowie von der Vieh- und Milchwirtschaft geprägt. Weitere Erwerbszweige waren die Fischerei, Tavernen, Mühlen, eine Ziegelhütte und eine Kalkbrennerei. 1878-1940 bestand eine Möbelfurnier- und um 1910 eine Streichholzfabrik. Die 1865 als Wasserheilanstalt gegr. Klinik Schloss M. wurde 1889 von Oscar Ullmann übernommen. Die Klinik spezialisierte sich u.a. auf die Rehabilitation von Patienten mit Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten. 2005 stellte der 3. Sektor mehr als vier Fünftel der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– E. Stauber, Gesch. der Herrschaften und der Gem. M., 1934
– H. Lang, Gesch. der Schule M., 1988
Kdm TG 6, 2001, 194-221
M. (Heimatkundl. Publ. 1989-2006), 2007

Autorin/Autor: Erich Trösch