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Blotnitzki, Leopold Stanislaus

geboren 15.11.1817 im damaligen Russisch-Polen,gestorben 23.6.1879 Bern, ab 1850 von Württemberg, ab 1853 von Genf. Sohn des Valentin und der Anna geb. Krüger. ∞ Carolina Müller. B. besuchte die Ingenieur-Kadettenschule St. Petersburg und leistete erste prakt. Arbeiten in Odessa (Russland, heute Ukraine) und München. Nach weiteren Stud. in Berlin, Wien, München, London und Paris arbeitete er bei der Planung der Bahnlinie Wien-Prag mit. Ab 1845 war er unter Karl von Etzel bei den Württemberg. Staatsbahnen in Stuttgart tätig. 1852 übersiedelte B. mit von Etzel nach Basel zur Planung der Schweiz. Centralbahn und nach Genf zur Projektierung des Bahnhofs. 1853 wurde er als Nachfolger von Guillaume-Henri Dufour und Jules de Beaumont Genfer Kantonsingenieur. 1854-55 plante er die Stadterweiterungen am linken und rechten Seeufer. 1858 legte er den endgültigen Stadterweiterungsplan fest, womit sich die Siedlungsfläche der Stadt Genf ungefähr verdoppelte. 1861-62 baute er mit Daniel Chantre die Mont-Blanc-Brücke. Nachdem er 1855 die Bahnlinie Lausanne-Romont-Freiburg-Bern projektiert hatte, übernahm er 1856 die Oberbauleitung im Kt. Freiburg und trat 1859 wegen Bauverzögerungen zurück. 1861-62 war er Experte des Bundesrates für die Rhonekorrektion und Wildbachverbauungen im Kt. Wallis, 1863-73 eidg. Inspektor der Rhonekorrektion im Nebenamt. B. übersiedelte nach Thun, wo er 1863 die eidg. Kaserne errichtete (Projekt mit Felix Wilhelm Kubly). 1863-65 baute er den Sitz der Eidg. Bank am Bubenbergplatz in Bern. Eine Berufung zum Stadtbaumeister von Luzern scheiterte an der Salärfrage. 1865 zog er nach Bern. B. publizierte 1869 einen Bericht über die Auswirkungen des Föhns und schuf Pläne zur Überbauung der Kl. und der Gr. Schanze in Bern. Kurz darauf folgten Studien zum Bau der Brünigbahn. 1873-77 war er techn. Inspektor im neu geschaffenen Eisenbahn- und Handelsdepartement (u.a. Projekt Kopfbahnhof Bern 1874). Nach seinem Rücktritt befasste er sich v.a. mit Fragen des Baus und Betriebs von Strassenbahnen. 1850 wurde er vom Kg. von Württemberg mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.


Archive
– Nachlässe in: AEG, BAR, StAFR, StAVS, StadtA Bern, StadtA Luzern
Literatur
Eisenbahn 9, Nr. 2, 1879, 10 f.
SKL 4, 42, 481
INSA 2, 411, 464; 4, 279-283, 330-332, 363
Architektenlex., 65

Autorin/Autor: Agathon Aerni