Wädenswil, von

Hochfreie Fam. im Zürcher Gebiet und im Berner Oberland, ab 1240 z.T. auch Vögte von Unspunnen genannt. Die Genealogie ist lückenhaft und deren Rekonstruktion kann nicht von einer durchgehenden agnat. Stammfolge ausgehen. Anzunehmen sind Zusammenhänge mit der überregional mobilen Führungsgruppe um die Adelsclans, die sich u.a. von Rapperswil, von Strättligen und von Wolhusen nannten. Verwandtschaftsbeziehungen bestanden zu den Frh. von Thun, von Bürglen, von Eschenbach-Schnabelburg, von Wolhusen, von Balm sowie den Ritteradligen von Hünenberg und von Büttikon. Zwischen den in einer rückdatierten Urkunde von 1130 erstmals erw. Brüdern Walter, Eberhard, Burkhard und Rudolf sowie den nach 1200 auftauchenden Vertretern des Geschlechts ist ein genealog. Zusammenhang nicht nachweisbar.

Im Raum Zürich trat die Fam. auffallenderweise erst um die Mitte des 13. Jh. vermehrt auf, was die Annahme einer die Dörfer Wädenswil, Richterswil, Schönenberg und Hütten sowie teilweise Hirzel und Uetikon am See umfassenden autochthonen Stammherrschaft am Zürichsee keineswegs stützt. Auch ist die nach 1200 entstandene Burg W. erst 1265 urkundlich belegt. Unter dieser Perspektive erscheint die Herrschaftsbildung im Berner Oberland infolge der Heirat Rudolfs mit der Erbtochter Ita von Unspunnen um 1224 als eine Wahrnehmung neuer Chancen nach Misserfolgen in den Auseinandersetzungen um die Herrschaft Rapperswil. Die in der älteren Forschung verbreitete Vorstellung einer Zweigbildung durch eine Herrschaftsteilung zwischen Rudolfs Söhnen Walter, Rudolf und Konrad ( -> 1) um 1240 dürfte zu stark an einem agnat. Dynastiemodell orientiert sein. Im Berner Oberland konzentrierte sich die Herrschaft der W. um Interlaken, Grindelwald und das Lauterbrunnental. Sie umfasste auch die Burgen und Herrschaften Uttigen, Frutigen und Mülinen sowie - ab der Mitte des 13. Jh. - Streubesitz um Willisau.

Vertreter der W. finden sich im Gefolge der Staufer und der Gf. von Habsburg. Sie waren Lehenträger der Fraumünsterabtei Zürich, Lehenträger und Truchsessen des Klosters Einsiedeln, Vögte der in der Herrschaft W. ansässigen Einsiedler Gotteshausleute und Kastvögte des Klosters Amsoldingen. Nach der Mitte des 13. Jh. ist sowohl im Zürcher Gebiet wie auch im Berner Oberland ein wirtschaftl. Niedergang mit zahlreichen Veräusserungen von Besitz und Herrschaftsrechten zu beobachten. Rudolf verkaufte 1287 seinen Besitz dem Johanniterhaus Bubikon. Er starb 1297 als Letzter des Zürcher Zweigs, sofern überhaupt von einem solchen die Rede sein kann. Mit Johann, einem Enkel von Konrad, starb um 1335 der letzte männl. Vertreter des freiherrl. Geschlechts.


Literatur
GHS 1, 290-318, 413 f.
– P. Ziegler, Die Johanniterkomturei W. 1287 bis 1550, 1987, 11-24
– B. Frei, Beitr. zur Gesch. des Adels im Berner Oberland (12./13. Jh.), Liz. Zürich, 1988, 94-105
– R. Sablonier, «Die Gf. von Rapperswil», in Gfr. 147, 1994, 5-44
Berns mutige Zeit, hg. von R.C. Schwinges, 2003, 195, 476, 478

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen