• <b>Von Vaz</b><br>Siegelstempel des Abts des Benediktinerklosters Disentis. Vergoldete Bronze, zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts (Rätisches Museum, Chur). Da der Name des Abts auf dem Siegel tiefer liegt als die übrigen Worte ("Walterus Desertinensis abbas"), ist davon auszugehen, dass schon Hugo (um 1180), der Vorgänger von Walter (1185–1200), den Stempel benutzt hat. Urkunden der beiden Äbte sind nicht überliefert.

Vaz, von

Freiherrengeschlecht in grafengleicher Stellung, erstmals erw. mit Albert I. und Albert II. von Seefelden (Linzgau) 1134/37, erloschen 1337/38. Herrschaftszentrum war in V./Obervaz die Burg Nivagl, später die Burg Belfort. Der Herrschaftskern ist schon im Churrät. Reichsgutsurbar greifbar, Nivagl archäologisch als zur ältesten Burgenschicht (10./frühes 11. Jh.) Oberrätiens gehörig ausgewiesen. Von dort griff das Geschlecht im Lauf der Zeit über grosse Teile Oberrätiens aus und war ca. 1270-1333 neben dem Hochstift Chur die bedeutendste polit. Macht in Oberrätien. Die Frh. von V. waren Pfandinhaber der Reichsvogtei über das Hochstift Chur (bis 1299), später der sog. Grafschaft Laax (Lehen des Reichs an Österreich). Rechte nördlich des Bodensees (Linzgau) basierten v.a. auf Eigentumsrechten an der Pfarrkirche Seefelden und wurden im 13. Jh. abgestossen. Der Besitz bestand im Wesentlichen aus Eigen, Lehen des Hochstifts Chur, Vogteien und Pfandschaften. Grablege war das Prämonstratenserstift Churwalden.

Walter war 1158 als Walter de Sevelt Vogt der Kirche Seefelden. Seine Söhne waren Walter und Rudolf, letzterer mit Willibirg, Tochter des Gf. Manegold II. von (Alt-)Veringen verheiratet und 1192 am Hof Ks. Heinrichs VI. in Hagenau (Elsass) nachgewiesen. Rudolfs Sohn Walter heiratete Adelheid, wahrscheinlich eine Freiin von Rapperswil. Er stiess die Linzgauer Besitzungen v.a. an das Kloster Salem ab, erbaute die Burg Belfort und förderte die Gründung der Prämonstratenserpropstei St. Jakob in Klosters. Walters Sohn Rudolf trat auch unter dem Namen "von Rapperswil" auf. Ein weiterer Sohn, Walter (1216-54), war höchstwahrscheinlich mit einer Tochter des Gf. Hugo I. von Montfort verheiratet. Mit dessen Sohn Walter erreichte das Haus V., das sich nun eng an Habsburg-Österreich anlehnte, einen Höhepunkt. Dessen Sohn Johannes (erw. 1284-99) stand anfänglich wie seine Brüder Donat ( -> 1) und Walter (erw. 1289-95) unter der Vormundschaft des Gf. Hugo II. von Werdenberg-Heiligenberg, eines Parteigängers von Kg. Rudolf, der 1289 einen Erblehensvertrag mit den Walsern von Davos abschloss. Johannes überliess 1299 gegen Auslösung der Pfandsumme die Vogtei über das Hochstift dem Bf. von Chur und starb kurz darauf. Donat stand in einem lang dauernden Gegensatz zu den Bf. von Chur. Er verlor 1333 trotz Einsatz von Schwyzer Söldnern eine wichtige Schlacht gegen den Bischof und Teile des rät. Adels. Sein Erbe ging über die Töchter Kunigunde und Ursula an die Gf. von Toggenburg bzw. von Werdenberg-Sargans, das Mittelprättigau über Margarethe, eine Tochter von Walter ( -> 2) (vor 1255-84), an die Vögte von Matsch. Eine weitere Tochter desselben Walter heiratete 1308 den Frh. Walter IV. von Eschenbach.

<b>Von Vaz</b><br>Siegelstempel des Abts des Benediktinerklosters Disentis. Vergoldete Bronze, zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts (Rätisches Museum, Chur).<BR/>Da der Name des Abts auf dem Siegel tiefer liegt als die übrigen Worte ("Walterus Desertinensis abbas"), ist davon auszugehen, dass schon Hugo (um 1180), der Vorgänger von Walter (1185–1200), den Stempel benutzt hat. Urkunden der beiden Äbte sind nicht überliefert.<BR/>
Siegelstempel des Abts des Benediktinerklosters Disentis. Vergoldete Bronze, zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts (Rätisches Museum, Chur).
(...)


Literatur
– J.L. Muraro, Unters. zur Gesch. der Frh. von V., 1972
– H. Gabathuler, «Die Anfänge der Herren von Seefelden-V.», in BM, 2010, 51-62
– H. Gabathuler, «Die Vazer Gf. von Rapperswil», in BM, 2010, 388-396

Autorin/Autor: Jürg Leonhard Muraro