22/04/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Hüttwilen

Polit. Gem. TG, Bez. Steckborn. Die seit 1997 bestehende Gem. wird aus der ehem. Munizipalgem. H. gebildet, die bis 1996 bestand. Diese umfasste die ehem. Ortsgem. H. (inklusive Kalchrain), Nussbaumen und Uerschhausen, die 1851 von der Munizipalgem. Eschenz abgetrennt wurden. Die Gem. liegt im Seebachtal an der Strecke Frauenfeld-Diessenhofen. 1255 Hutewiler. Polit. Gem.: 2000 1'398 Einw. Ehem. Munizipalgem. H.: 1850 1'143 Einw.; 1900 1'054; 1950 1'084; 1990 1'330. Ehem. Ortsgem. H.: 1850 529 Einw.; 1900 568; 1950 588; 1990 775. Fundstellen und Streufunde weisen auf eine Besiedlung des Seebachtals seit dem Mesolithikum hin. Ruinen des 1928 teilweise ausgegrabenen röm. Gutshofs Stutheien belegen die röm. Besiedlung. 1466 kam H. zur Herrschaft der Kartause Ittingen. Das Kloster übte bis 1798 mehrheitlich die niedere Gerichtsherrschaft über das Dorf aus. Die Pfarrei H. war eng mit der Herrschaft verbunden. 1466 kam der Kirchensatz von H. an die Kartause Ittingen. Mit der Reformation 1529 ging das Dorf zum neuen Glauben über. Dem kath. Gerichtsherrn gelang es 1551, die Messe wieder einzuführen. Bis 1961 wurde die Kirche von beiden Konfessionen benützt. 1962 erfolgte der Bau einer neuen ref. Kirche, 1964 jener eines kath. Gotteshauses. Seit 1551 ist Uesslingen eine Filiale der ref. Kirchgem. H. Gegen Ende des 19. Jh. kam neben Wein-, Acker- und Obstbau auch Vieh- und Milchwirtschaft auf. Um 1900 wurde in H. Handstickerei betrieben, bis ins 20. Jh. Torf abgebaut. Die Seebachkorrektion erfolgte 1857-62, die Melioration 1943-49. Die Landwirtschaft als wichtiger Erwerbszweig verlor ab 1960 an Bedeutung und wurde zunehmend durch Gewerbebetriebe ersetzt. Der grösste Arbeitgeber in H. ist die Tribünen- und Gerüstbaufirma Nüssli AG (2005 130 Mitarbeiter in H., 250 weltweit). Nachdem die Natur- und Kulturlandschaft des Seebachtals 1966 unter Naturschutz gestellt worden ist, versucht die Stiftung Seebachtal seit 1994, die ursprüngl. Landschaft zu erhalten bzw. wiederherzustellen.


Literatur
– K. Roth-Rubi, Die Villa von Stutheien, H. TG, 1986
– A. Hasenfratz, Das Seebachtal, 1998
Kdm TG 6, 2001, 132-193

Autorin/Autor: Verena Rothenbühler