• <b>Von Regensberg</b><br>Grabplatte des Freiherrn Ulrich von Regensberg aus dem Franziskanerkloster in Zürich, Ende 13. Jahrhundert (Schweizerisches Nationalmuseum). Obwohl die Ritzzeichnung den im Grab liegenden Verstorbenen zeigt, erinnert der Faltenwurf der höfischen Kleidung mit dem Regensberger Wappen auf der Brust an eine lebende Persönlichkeit. Damit wird der Hoffnung auf die kommende Auferstehung des Toten Ausdruck gegeben. Da nach der Aufhebung der Grabstätte in der Reformationszeit die Grabplatte als Baumaterial für das Oetenbachbollwerk diente und dabei zu Schaden kam, fehlt das Todesjahr der bestatteten Person auf der Umschrift. Somit bleibt unbekannt, welchem Ulrich der Familie das Grabmonument gewidmet war.

Regensberg, von

Freiherrengeschlecht des 11.-14. Jh., mit Stammsitz auf der um 1050 erbauten Burg Alt-R. am Katzensee (Gem. Regensdorf). Das Kerngebiet des Regensberger Besitzes lag beidseits der Lägernkette im Furt- und Wehntal. Weitere Güter und Rechte besassen sie im Limmat- und Reppischtal, im Zürcher Oberland, am rechten Zürichseeufer, vereinzelt auch im Thurgau sowie nördlich des Rheins und des Bodensees. Ihre bedeutende Stellung wird durch Heiratsbeziehungen zu den Grafenhäusern Kyburg, Habsburg-Laufenburg, Neuenburg und Pfirt unterstrichen.

Als erster Träger des Namens wird 1083 Lütold I., Kastvogt des Klosters Muri, erwähnt. Seine Herkunft ist unklar. Während Adolf Nabholz in ihm einen Nachkommen des 870 in diesem Raum begüterten Landeloh sieht, führt Paul Kläui diesen über den 1044 erw. Lütold von Affoltern auf Lütold von Mömpelgard zurück, dessen Vorfahren im 10. Jh. die Elsässer Gf. von Mâcon waren. Die These, dass der Kernbesitz der R. einst zu einer beinahe den ganzen Zürichgau umfassenden Herrschaft des sich nach Winterthur nennenden Zweigs der Gerolde gehört habe, die um 1030 auf die bayr. Gf. von Ebersberg übertragen worden sei, und dass die Nachkommen der mit Lütold von Mömpelgard verheirateten mutmassl. Ebersberger Erbtochter Willbirg den Besitz unter sich geteilt hätten, wurde inzwischen widerlegt. Die Herkunftsfrage ist weiterhin offen.

<b>Von Regensberg</b><br>Grabplatte des Freiherrn Ulrich von Regensberg aus dem Franziskanerkloster in Zürich, Ende 13. Jahrhundert (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Obwohl die Ritzzeichnung den im Grab liegenden Verstorbenen zeigt, erinnert der Faltenwurf der höfischen Kleidung mit dem Regensberger Wappen auf der Brust an eine lebende Persönlichkeit. Damit wird der Hoffnung auf die kommende Auferstehung des Toten Ausdruck gegeben. Da nach der Aufhebung der Grabstätte in der Reformationszeit die Grabplatte als Baumaterial für das Oetenbachbollwerk diente und dabei zu Schaden kam, fehlt das Todesjahr der bestatteten Person auf der Umschrift. Somit bleibt unbekannt, welchem Ulrich der Familie das Grabmonument gewidmet war.<BR/>
Grabplatte des Freiherrn Ulrich von Regensberg aus dem Franziskanerkloster in Zürich, Ende 13. Jahrhundert (Schweizerisches Nationalmuseum).
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Zwei Klostergründungen gehen auf die R. zurück. Nach einer auf 1130 datierten, vermutlich aber erst nach 1150 gefertigten Urkunde stiftete Lütold II. mit seiner Frau Judenta und seinem Sohn Lütold III. - dieser bewegte sich in den 1180er Jahren im Umfeld der Zähringer - das Frauenkloster Fahr an der Limmat. Mit der Stiftung des Klosters Rüti versuchten die Freiherren wahrscheinlich Güter, die sie sich nach 1192 aus dem Erbe der Alt-Rapperswiler gesichert hatten, dem Zugriff der am Erbe beteiligten Toggenburger und Neu-Rapperswiler zu entziehen. Um 1206 gründete Lütold V. mit Letzteren in Rüti eine Eigenkirche (Seegräben), die er auf deren Druck hin bald in das von ihm wesentlich unabhängigere Kloster integrierte. Kurz nach der Gründung des Städtchens Grüningen, das wohl der Sicherung weiterer umstrittener Güter im Zürcher Oberland diente, kam es 1219 schliesslich zum Ausgleich: Auf Vermittlung des Ebf. Eberhard von Salzburg, eines Bruders Lütolds V., stuften die Freiherren ihren Anspruch auf die Kastvogtei über Rüti zurück und liessen den geschädigten Neu-Rapperswilern indirekt eine Abgeltung zukommen. Ihren Zenit erreichte die Fam. unter Lütold VI., der eine bessere Durchdringung seiner Herrschaft anstrebte. Dazu baute er ab den 1240er Jahren einen eigenen Dienstadel auf (von Lägern, von Mandach, von Steinmaur und von Tal) und legte um die Jahrhundertmitte die Städte R. mit Burg Neu-R. sowie den abgegangenen Marktort Glanzenberg an.

Die Söhne Lütolds VI., Lütold VII. und Ulrich I., teilten 1255 das väterl. Erbe, und das Geschlecht spaltete sich in die beiden Linien Alt- und Neu-R. auf, wobei letztere an Ulrich I. ging. Die Herrschaftssicherung gelang beiden Linien nicht. In der Folge der Regensberger Fehde gegen die Habsburger und Zürich 1267-68 sahen sich die Alt-R. 1269 gezwungen, die Herrschaft Grüningen zu verpfänden. Nach 1280 mussten die Nachkommen beider Linien ihren Besitz allmählich veräussern. 1294 verkaufte ein Sohn Lütolds IX. dem Bf. von Konstanz die Stadt Kaiserstuhl sowie zwischen 1302 und 1304 den Habsburgern Burg Neu-R. und Stadt R., 1317 das Familienwappen. 1331 starb die Linie Neu-R. aus. Die Spur der Alt-R. verliert sich bereits 1302. Die jüngere Forschung geht davon aus, dass ihre Herrschaftsfunktionen durch die von Baldegg, abgelöst von den Landenbergern übernommen wurden (beide Habsburger Ministerialen).


Literatur
– A. Nabholz, Gesch. der Frh. von R., 1894
– P. Kläui, Hochma. Adelsherrschaften im Zürichgau, 1960, 25-28
– Sablonier, Adel
GHS 4, 161-168, 205-248, (mit Stammtaf.)
– E. Eugster, Adlige Territorialpolitik in der Ostschweiz, 1991, 24-28, 271-283
– U. Fortuna, «Die Herrschaft Alt-R. im 14. Jh.», in ZTb 1999, 1998, 29-50

Autorin/Autor: Martin Leonhard