11/12/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Herdern

Polit. Gem. TG, Bez. Steckborn. Die seit 1998 bestehende Gem. umfasst die ehem. Munizipalgem. H. mit ihren ehem. Ortsgem. H. und Lanzenneunforn. H. liegt nördlich von Frauenfeld am Südhang des Seerückens. 1094 Harderin. Polit. Gem.: 2000 955 Einw. Ehem. Munizipalgem. H.: 1850 735 Einw.; 1900 741; 1950 785; 1990 852. Ehem. Ortsgem. H.: 1850 336 Einw.; 1900 447; 1950 424; 1960 371; 1990 496. Nachdem H. zur Herrschaft der Kartause Ittingen gehört hatte, wurde 1501 das Niedergericht H. mit der Burg H. (auch Barbenstein genannt), die bis 1403 Stammsitz der Fam. Bettler gewesen war, zur Herrschaft H. vereint. Nach der baul. Erweiterung um 1601 kamen Schloss und Herrschaft 1683 an das Luzerner Kloster St. Urban, das bis 1798 das Niedergericht H. von einem im Schloss wohnhaften Statthalter verwalten liess. Die Pfarrei H. war eng mit der Herrschaft verbunden. 1331 gelangte der Kirchensatz an das Kloster Kalchrain. Da der Gerichtsherr von H. 1529 nach der Reformation beim alten Glauben blieb, setzte Kalchrain 1533 wieder einen Priester ein. Fortan blieb die Pfarrei katholisch. Im 19. Jh. wurden in H. neben Acker-, Wein- und Obstbau eine Kunstwollfabrik und eine Leimsiederei betrieben und Braunkohle abgebaut. Gegen Ende des 19. Jh. kamen Vieh- und Milchwirtschaft auf. Um 1900 bestand in H. eine Stickerei. Das Schloss gehörte bis 1848 dem Kloster St. Urban und wurde nach einigen Besitzerwechseln vom Verein Arbeiterkolonien H. erworben. 1895 eröffnete der Verein im Schloss die Arbeiterkolonie H. für arbeitslose und strafentlassene Männer sowie für sog. Vaganten. Seit 1995 ist im Schloss H. ein Heim für Personen mit psych. und sozialen Problemen untergebracht (2003 75 Bewohner). Das Schloss und die in jüngerer Zeit entstandenen Einfamilienhäuser prägen heute die ländl. Wohngemeinde.


Archive
– StATG, Herrschaftsarchiv H.
Literatur
– J.J. Wälli, Gesch. der Herrschaft H., 1905
– B. Giger, Gerichtsherren, Gerichtsherrschaften, Gerichtsherrenstand im Thurgau vom Ausgang des SpätMA bis in die frühe Neuzeit, 1993, 92 f.
H.: 900 Jahre, 1994
100 Jahre Kolonie H., 1995

Autorin/Autor: Verena Rothenbühler