Eschenz

Polit. Gem. TG, Bez. Steckborn. E. mit Schloss Freudenfels (seit 1812) und der Insel Werd liegt am Ausfluss des Untersees in den Rhein und ist heute räumlich nahezu mit Stein am Rhein (Ortsteil Burg) zusammengewachsen. 155 Taxaition, 799 in castro Exsientie, 972 Aschenza. 1831 2'115 Einw.; 1860 (nach der Abtrennung von Hüttwilen) 1'009; 1900 929; 1950 1'101; 2000 1'513.

1 - Vorrömische Zeit

Die bis anhin bekannt gewordenen prähist. Ufersiedlungen auf der Insel Werd und in den "Seeäckern" (nordöstlich von E.) zeichnen sich durch ein umfangreiches Fundmaterial aus, das wesentlich zur Klärung der Siedlungsgeschichte im engeren Bodenseeraum beitrug. Die beiden im Ausflussbereich von Untersee und Hochrhein gelegenen Werdinseln verdanken ihre Entstehung postglazialen Kalkablagerungen. Natürl. Furtenbildungen im Rhein begünstigten die Siedlungstätigkeit über nahezu sämtl. ur- und frühgeschichtl. Epochen. 1858 wurde der Siedlungsplatz auf der Hauptinsel entdeckt. Der Grabungskampagne 1882-83 durch Schenk folgten 1931-36 umfangreiche wissenschaftl. Untersuchungen durch Karl Keller-Tarnuzzer sowie 1962 kleinere Sondierungen in der Otmarskapelle. Die erste Besiedlung der Insel erfolgte kurz nach 4000 v.Chr. (frühe Pfyner Kultur) und fällt mit dem Siedlungsaufkommen in den voralpinen Feuchtgebieten zu Beginn des Jungneolithikums zusammen. Eine zweite Siedlungsphase (späte Pfyner Kultur) setzte nach längerem Unterbruch vor der Mitte des 4. Jt. ein. Nach einer dritten Siedlungsphase (Horgener Kultur, 2. Hälfte 4. Jt.) dürfte ein Anstieg des Seespiegels - dies dokumentieren mächtige Seekreidelagen - die gesamte Insel unter Wasser gesetzt haben. Mit einer schnurkeram. Niederlassung in der 1. Hälfte des 3. Jt. endete die neolith. Siedlungstätigkeit; erst im mittleren Abschnitt der Spätbronzezeit (11. Jh. v.Chr.) sind wieder Siedlungsspuren auszumachen. Wiederum belegt ein Überschwemmungshorizont im Schichtenprofil der Insel einen Siedlungsunterbruch und trennt die Kulturschichtablagerungen aus der Schlussphase der Spätbronzezeit (9. Jh. v.Chr.). Zahlreiche gefundene Pferdezaumbestandteile lassen vermuten, die Insel sei dank ihrer günstigen Verkehrslage ein Umschlagplatz gewesen.

Autorin/Autor: Albin Hasenfratz

2 - Von der römischen Zeit bis in die Gegenwart

Der röm. Vicus Tasgetium, der sich südlich der Rheinbrücke entwickelte und seinen Höhenpunkt vermutlich im 2. und 3. Jh. erlebte, hatte seinen Kern in Untereschenz. Ihre Fortsetzung fand diese Siedlung im Kastell auf Burg (Gem. Stein am Rhein), das zusammen mit denjenigen in Pfyn sowie Arbon im 4. Jh. die röm. Grenzverteidigung im Bodenseeraum gewährleistete.

958 kam E. an das Kloster Einsiedeln; die Offnung datiert von 1296. 1623-1798 übte der Statthalter des Klosters Einsiedelns auf Schloss Freudenfels die niedere Gerichtsbarkeit in E. aus. Die Pfarrei E. wurde 1362 dem Stift Einsiedeln inkorporiert. Während der Reformation (1525-1529) trat die Gem. zum neuen Glauben über. Im Zuge der um 1560 erfolgten Rekatholisierung wurde die ref. Bevölkerung zur Minderheit und in die benachbarte Pfarrei Burg verwiesen; der Friedhof in E. wurde bis 1690 paritätisch genutzt. 1851 wurde die jenseits des Seerückens gelegene Munizipalgem. Hüttwilen von der Munizipalgem. E. abgetrennt. Die Orts- und Munizipalgem. E., räumlich identisch, wurden 1870 zur Einheitsgem. E. zusammengelegt. 1835 wurde in E. eine Papiermühle betrieben. Gegen Ende des 19. Jh. lösten Viehwirtschaft, Acker- und Obstbau den Rebbau und die Fischerei ab. In E. gelang mit Ausnahme der Unipektin AG, die in der Nahrungsmittelbranche tätig ist, die Ansiedlung von Industrie nicht; heute prägen Gewerbebetriebe und zahlreiche Wohnbauten das Dorfbild.

Autorin/Autor: Verena Rothenbühler

Quellen und Literatur

Literatur
– R. Netzhammer, Die Insel Werd bei E., 1934
– R. Netzhammer, E., 1938
E., Insel Werd, 4 Bde., 1983-89
Hinweisinventar alter Bauten und Ortsbilder im Kt. Thurgau, Ms., 1985 (StATG)
– J. Winiger, A. Hasenfratz, Ufersiedlungen am Bodensee, 1985